Föhliches und erfolgreiches neues Jahr wünscht TransStar Europa!

31. 12. 2015

Ein neues Jahr hat seine Pflichten,
ein neuer Morgen ruft zur frischen Tat.
Stets wünsche ich ein fröhliches Verrichten
und Mut und Kraft zur Arbeit früh und spät.

Johann Wolfgang von Goethe

Das österreichische Bundeskanzleramt stellt in Kooperation mit KulturKontakt Austria für das Jahr 2016 Stipendienplätze in Wien zur Verfügung.

2. 8. 2015

Sehr geehrte Damen und Herren!

Das österreichische Bundeskanzleramt stellt in Kooperation mit KulturKontakt Austria für das Jahr 2016 Stipendienplätze in Wien zur Verfügung.

Anbei finden Sie die Ausschreibungsunterlagen in englischer und deutscher Sprache (PDF1, PDF2, PDF3).

Wir ersuchen Sie um Weiterleitung der Unterlagen innerhalb Ihres Netzwerks, an MultiplikatorInnen, an Bildende KünstlerInnen / künstlerische FotografInnen / KomponistInnen / Video- und MedienkünstlerInnen / SchriftstellerInnen / literarische ÜbersetzerInnen und KulturvermittlerInnen ebenso wie an KünstlerInnen, die interdisziplinär arbeiten (z.B. im Bereich Kunst und Wissenschaft), und die an einer Residency in Wien oder Salzburg interessiert sein könnten. Bitte beachten Sie die Einreichfristen 31. August bzw. 15. September 2015 (je nach Kunstsparte).

Mit herzlichen Grüßen

Brigitte Burgmann-Guldner & Nicole Marjanovic-Zoubek

 

KulturKontakt Austria
Artists in Residence Programmes
Projektkoordinatorin

Universitätsstraße 5
1010 Wien/Vienna
t +43 1 523 87 65-47

f +43 1 523 87 65-20
brigitte.burgmann@kulturkontakt.or.at

www.kulturkontakt.or.at

www.facebook.com/kulturkontakt

www.twitter.com/kulturkontakt

Übersetzertage in Kiew

13. 6. 2015
Im Rahmen des Projektes TransStars Europa fand im Juni 2015 sowohl die Präsentation des Buches von Maria Ivanytska als auch eine Veranstaltung mit Julija Mykytyk und Valentyna Bilokrynytska statt. Der Titel der Veranstaltunng war: Odyssee des Übersetzers zwischen Form und Inhalt. Die TransStar-Teilnehmerinnen sprachen mit erfahrenen Übersetzern über die Herausforderungen der Lyrik-Übersetzung. Ferner wurde auch die Camera-Obscura-Ausstellung eröffnet.
Das Programm finden Sie hier und einige Fotos hier.
-

Einige Gedanken über die Funktionen soziolektaler Elemente in literarischen Texten und deren Übersetzung

27. 3. 2015

Es scheint, als hätte jahrhundertelang niemand an der Standardsprache als adäquate Form für die Literatur gerüttelt. Plötzlich erscheinen soziolektale Formen in literarischen Werken und stellen die bisherigen Sprachnormen in Frage. Wo endet die Standardsprache wo beginnen die Soziolekte? In welchem Verhältnis steht ein Soziolekt zur Standardsprache? Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass die Sprache ein Diasystem mit mehreren Subsystemen ist. Diese Subsysteme oder sprachlichen Varianten können als Dialekte, Soziolekte usw. definiert sein, je nach theoretischem Ansatz gehen hier die Verteilungsmuster auseinander. Bei Soziolekten handelt es sich um verschiedene sprachliche Formen, die jeweils in einer bestimmten, komplexen Relation zueinander und zur Standardsprache stehen. In einer sprachlichen Handlung werden auf metasprachlicher Ebene (zusätzliche) Informationen über den Sprecher und bestimmte Konnotationen vermittelt. Die Verwendung eines Soziolekts erfüllt somit bestimmte Funktionen in der Kommunikation.

Werden soziolektale Elemente in einem literarischen Text verwendet, verschieben sich gewisse Bedingungen aufgrund der veränderten Gegebenheiten. Die Literatur ist als eine gesellschaftliche Institution zu betrachten, die die Fiktion als wichtigstes Merkmal aufweist und einen wichtigen Teil des imaginativen Diskurses einer Gesellschaft darstellt. Fiktionale Texte wecken beim Leser bestimmte Erwartungen (vgl. Skubic 2005: 105-107).

Im Laufe der schrittweisen Verschriftlichung der Kultur und der Standardisierung der Sprache stehen Standardsprache und Soziolekte bei der Verwendung als Sprache für literarische Texte immer wieder in unterschiedlicher Beziehung zueinander. Die Schreibweise einer Epoche weist spezifische Merkmale auf, die sich von denen einer anderen unterscheiden. Roland Barthes beschreibt diese sich historisch verändernden Verhältnisse in seinem Werk Am Nullpunkt der Literatur. Durch die Neuorientierung in der Verwendung von Sprache in der Literatur werden literarische Normen aufgebrochen und gesellschaftliche Gegebenheiten auf anderen sprachlichen bzw. literarischen Ebenen dargestellt. Barthes (1982: 93-94) erläutert dazu detailliert:

„Während dieser Augenblicke, in denen der Schriftsteller den tatsächlich gesprochenen Sprachen folgt, nicht weil sie pittoresk sind, sondern weil sie die wesentlichen Objekte darstellen, die den ganzen Gehalt der Gesellschaft ausschöpfen, mach die Schreibweise die tatsächliche Rede der Menschen zu einem Ort für ihre Reflexe; die Literatur [...] weist sich als Aufgabe zu, unmittelbar, noch vor jeder anderen Botschaft, zu berichten von der Situation der Menschen, die eingemauert sind in der Sprache ihrer Klasse, ihrer Provinz, ihres Berufes, ihres Erbes oder ihrer Geschichte.

In dieser Hinsicht entledigt sich die auf der sozialen Rede fundierte literarische Sprache niemals einer Tugend der Beschreibung, durch die sie begrenzt wird, denn die Universalität einer Sprache ist – im augenblicklichen Zustand der Gesellschaft – eine Erscheinung des Hörens und keineswegs des Sprechens: Im Inneren einer nationalen Norm wie der des Französischen unterscheiden sich die Sprechweisen von Gruppe zu Gruppe, und jeder Mensch ist Gefangener seiner Sprache. Außerhalb seiner Klasse kennzeichnet ihn sein erstes Wort, es situiert ihn und stellt ihn mitsamt seiner Geschichte zur Schau. Der Mensch wird dargeboten und ausgeliefert durch seine Ausdrucksweise, verraten durch eine formale Wahrheit [...]. Die Wiederherstellung der gesprochenen Sprache, die ihren Anfang durch amüsierte Nachahmung des Pittoresken nahm, hat denn auch dazu geführt, den ganzen Gehalt des sozialen Widerspruchs auszudrücken.“

In etwas konkreterer Form unterscheidet Czennia (2004: 508) zwischen textinternen und konnotativen, autorenbezogenen sowie rezipientenbezogenen Funktionen von Soziolekten in literarischen Texten. Wie der Text auf den einzelnen Leser wirkt, spielt eine große Rolle im Rezeptionsprozess. Soziolekte wirken auf bestimmte Weise, rufen Assoziationen hervor. Daraus ergeben sich einige Bedingungen, die bei der Übersetzung von Soziolekten in literarischen Texten zu berücksichtigen sind.

Aus diesen Ausseinandersetzungen wird auch klar, dass der Übersetzer selbst als Rezipient und Sprachproduzent einen nicht zu vernachlässigenden Faktor im Rezeptions- und in weiterer Folge im Übersetzungsprozess darstellt. Trotz des sicherlich feinen Gespürs für Sprache und des durch Ausbildung und Erfahrung erweiterten Bewusstseins für Schwierigkeiten in der Übersetzung zwischen zwei Sprachen bewegt er sich letzten Endes in einem Bereich, der lediglich Teile aller jeweils vorhandenen sprachlichen Varianten abdeckt. Als Rezipient nimmt er einen Text mit seinen Merkmalen subjektiv wahr. Eine Übersetzung ist demzufolge immer eine mögliche Interpretation eines Textes durch ein Individuum zu einem gewissen Zeitpunkt. Der zu übersetzende Text selbst ist bereits eine sprachliche Momentaufnahme soziokultureller Gegebenheiten, der unter Zuhilfenahme übersetzerischer Werkzeuge an einem anderen Moment neu interpretiert wird. Der Übersetzungsvorgang selbst ist komplex. Man begibt sich auf sprachliche Metaebenen und versucht zuerst, die eigenen Eindrücke zu reflektieren und ein grobes Gerüst aus dem Ausgangstext zu erstellen, dabei spezielle sprachliche Formen, mögliche Konnotationen und einen als wahrscheinlich anzunehmenden Eindruck beim Rezipienten zu beachten. Danach kann man mit diesem Gerüst als Schablone den Versuch wagen, ein vergleichbares Gerüst in der Zielsprache aufzubauen. Der Übersetzer sucht für das Netz an sprachlichen Realisierungen etwas Gleichwertiges in der Zielsprache, befindet sich jedoch dabei selbst in einem individuellen, sozialen und historischen Rahmen an Möglichkeiten.

von Daniela Trieb

Literatur

Barthes, Roland (1982): Am Nullpunkt der Literatur. 1. Auflage der deutschsprachigen Ausgabe. Frankfurt am Main.

Czennia, Bärbel (2004): Dialektale und soziolektale Elemente als Übersetzungsproblem. In: Kittel, Harald et. al. (Hg.): ÜbersetzungTranslationTraduction. Ein internationales Handbuch zur Übersetzungsforschung. Berlin. S. 505–512.

Skubic, Andrej E. (2005): Obrazi jezika. Ljubljana.

Die Normen beim Übersetzungsprozess

29. 12. 2014

Die Translationswissenschaft war lange eher präskriptiv orientiert und befasste sich vorwiegend mit der Frage, was die beste Art des Übersetzens sei. Für einige Translationswissenschaftler in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts würde die Frage, wieso Übersetzer auf eine gewisse Art und Weise übersetzen jedoch interessanter; sie wollten nicht vorscheiben, wie übersetzt werden soll, sondern das Phänomen des Übersetzens in erster Linie beschreiben – daher der Begriff „deskriptive Translationswissenschaft“. Gideon Toury, ein einflussreicher Vertreter der deskriptiven Translationswissenschaft, befasste sich unter anderem mit der Rolle der „Normen“ beim Übersetzungsprozess. Toury behauptet, dass Übersetzen durch drei Arten von Normen bestimmt wird:

Die Ausgangsnormen [initial norms] betreffen die Adäquatheit [adequacy] und die Akzeptabilität [acceptability] der Übersetzung. Bei einer adäquaten Übersetzung richtet sich der Übersetzer nach den Normen der Ausgangskultur; diese werden in die Zielkultur übertragen. Bei einer akzeptablen Übersetzung wird hingegen der Text an die Normen der Zielkultur angepasst.

Bei den Vornormen [preliminary norms] handelt es sich vor allem um die jeweilige Übersetzungspolitik; z.B. welche Kulturen bevorzugt werden, welche Autoren und welche Textsorten übersetzt werden.

Die Operativnormen [operational norms] beziehen sich auf konkrete Entscheidungen beim Übersetzen, z.B. inwieweit verschiedene Elemente des Originals beim Übersetzen modifiziert werden, was ausgelassen wird usw. (Unter dem Begriff „Übersetzung“ versteht Toury nämlich alle Texte, die in der jeweiligen Kultur als Übersetzung gelten – auch Adaptionen und sogar Pseudoübersetzungen.)

In den 90er Jahren wandte sich die Translationswissenschaft im größeren Masse dem Übersetzer als Individuum zu. Im Aufsatz „The Pivotal Status of the Translator’s Habitus“ (1998) von Daniel Simeoni findet das von Pierre Bourdieu entwickelte Konzept des Habitus auch in der der Translationswissenschaft Anwendung. Simeoni befasst sich mit der Frage, wieso sich die meisten Übersetzer – obwohl sie verschiedene Handlungsmöglichkeiten haben – den zeitgenössischen Übersetzungsnormen unterwerfen. Er meint, dass Übersetzer die Fremdzwänge, denen sie ausgesetzt sind, nach einiger Zeit internalisieren, und sie deshalb gar nicht mehr als Zwänge empfinden.

Einen Überblick der Entwicklung dieser Theorien findet man in Entwicklungslinien der Translationswissenschaft: Von den Asymmetrien der Sprachen zu den Asymmetrien der Macht von Erich Prunč (2007, Frank & Timme, S. 234–236, 314–317).

 von Janko Trupej

Call for Papers: Conference, Translating the Literatures of Small European Nations

19. 9. 2014

Clifton Hill House, University of Bristol, September 7th-9th 2015

Conference Organisers: Dr Rajendra Chitnis (Bristol), Dr Rhian Atkin (Cardiff), Professor Zoran Milutinovic (SSEES, University College London) and Dr Jakob Stougaard-Nielsen (University College London)

The literatures of smaller European nations, written in less well-known languages from less familiar traditions, all depend on linguistic and cultural translation to be heard by the wider world. Researchers in individual national literatures, comparative literature or translation studies, however, generally work in parallel and even in competition, divided along linguistic, geographical and disciplinary lines, and are unused to examining the precise nature and implications of this shared situation. As a result, some may view the situation of a given national literature too narrowly, while others, in imagining a supranational organisation of literature, fail to consider how the literatures of Europe’s smaller nations might become part of it.

The aim of this conference is to bring these groups together to explore comparatively the mechanisms through which the literatures of small European nations endeavour to reach the cultural mainstream, and to examine the extent to which these literatures may constitute a specific ‘literary system’ in their relationship with that mainstream. We invite papers that address the following questions:

  1. How are the literatures of small European nations translated across borders? Who are the main actors in the translation of the literature of small nations? How do they perceive their role? What role do national and international institutions, funds and prizes play?
  2. What are the opportunities for and barriers to wider European dissemination through translation of the literatures of smaller nations or peripheral regions?
  3. How valid is the ‘centre and periphery’ model when applied to the cultural dynamics of translation in European literature? How far and in what ways do perceived ‘peripheries’ interact without recourse to the ‘centre’?
  4. How does the international reception of the literatures of small European nations influence canon formation, the writing of literary history and a nation’s perception of its literature and literary status?
  5. What is the role played by cultural stereotypes, defining historical episodes, dominant single figures or genres and other ‘international shorthand’? To what extent do they hinder or facilitate the translation process?

Papers may approach these questions from a variety of disciplinary and theoretical perspectives, including but not limited to literary and cultural history and theory, sociology and translation studies, and may draw on the current or historical experience of one or more national literatures.

The conference organisers also invite applications from current UK-based doctoral students who do not wish to give a full paper, but would like to attend the conference as a fully funded delegate and work with other selected postgraduates on a group presentation to be prepared during the conference and delivered on the final day. Applicants should submit a statement (c.500 words) outlining their current research and its relevance to the themes of the conference, and two academic letters of recommendation to Dr Rajendra Chitnis (R.A.Chitnis@bris.ac.uk) by December 5th 2014.

This conference is a core part of an AHRC-funded Translating Cultures research project, and organisers aim to meet in full the travel, accommodation and conference fee costs for all speakers chosen by the organisers. The organisers will invite selected speakers to revise their papers for inclusion in chapter form in an edited volume arising from the project.

Please send paper titles and abstracts (c.200 words) to Dr Rajendra Chitnis (R.A.Chitnis@bris.ac.uk) by December 5th 2014.

Diamantenschliff – Wettbewerb für Literaturübersetzer in Polen

10. 9. 2014
Die Goethe-Institute in Warschau und Krakau, das Österreichische Kulturforum in Warschau, das Polnische Institut in Berlin und die Abteilung für Literatur und Kultur Deutschlands, Österreichs und der Schweiz der Universität Łódź schreiben einen Wettbewerb für die beste Übersetzung eines Werks der deutschen und österreichischen Literatur ins Polnische aus. Der Wettbewerb richtet sich an angehende Literaturübersetzer und -übersetzerinnen, die bereits über eigene Veröffentlichungen verfügen.
Prämiert werden die Gewinner mit zwei Residenzstipendien, belletristischen Werken und Veröffentlichungen in der elektronischen Ausgabe der Zeitschrift RADAR.
Die Veranstalter stellen vier Prosatexte zur Wahl, von denen zwei ausgewählt, übersetzt und an folgende Adresse geschickt werden sollen:  konkurs@literatur.pl.
Einsendeschluss ist der 15. November 2014.
Weitere Informationen sowie die zu übersetzenden  Texte finden Sie unter www.literatur.pl und im TransStar-Newsletter 3/2014.

Die „zyklische“ Übersetzungsgeschichte

18. 8. 2014

Das Dilemma zwischen der freien oder treuen Übersetzung, der dynamischen oder formalen Äquivalenz, dem Einbürgern oder Verfremden usw. ist mehr als zwei Jahrtausende alt. Für die Zeit der Römischen Republik war das zieltextorientierte Übersetzen charakteristisch – den bekanntesten Beweis dafür findet man in Ciceros Aufsatz „De Optimo Genere Oratorum“. Laut David Movrin kann man zu dieser Zeit gar nicht vom Übersetzen im heutigen Sinne sprechen, sondern von Aemulatio – einer »wetteifernder Nachahmung« (2010: 25). Die Elite von damals war nämlich im Stande griechische Literatur im Original zu lesen und deshalb gab es keinen Grund für „treue“ Übersetzungen; man wollte stattdessen das griechische Original übertreffen, womit die Ausdruckskraft von Latein bezeugt werden sollte (ebd.). Die Übersetzungsstrategien im alten Rom wurden auch von Friedrich Nietzsche in seinem Werk Die fröhliche Wissenschaft angesprochen:

Sie kannten den Genuss des historischen Sinnes nicht; das Vergangene und Fremde war ihnen peinlich, und als Römern ein Anreiz zu einer römischen Eroberung. In der That, man eroberte damals, wenn man übersetzte, — nicht nur so, dass man das Historische wegliess: nein, man fügte die Anspielung auf das Gegenwärtige hinzu, man strich vor Allem den Namen des Dichters hinweg und setzte den eigenen an seine Stelle — nicht im Gefühl des Diebstahls, sondern mit dem allerbesten Gewissen des imperium Romanum.

In den ersten Jahrhunderten unseres Zeitalters hat sich Latein jedoch etabliert und die Griechischkenntnisse im Römischen Reich haben sich verschlechtert, deshalb wurde Aemulatio weniger relevant (Movrin 2010: 63). Auch die Bibelübersetzer haben die Veränderung der Übersetzungsstrategie beeinflusst; sie waren der Meinung, dass man sich beim Übersetzen des Wortes Gottes keine Freiheiten erlauben dürfe. Sogar der heilige Hieronymus, ein Befürworter des sinngemäßen Übersetzens, schrieb in dem heute unter dem Titel „Über die beste Art zu übersetzen“ bekannten Brief Folgendes: „Ich gestehe und bekenne mit allem Freimut, dass ich bei der Übersetzung griechischer Texte, abgesehen von den heiligen Schriften, wo selbst die Anordnung der Worte ein Geheimnis ist, nicht Wort für Wort, sondern sinngemäß übertrage.“

Erst im Klassizismus kam es wieder zur zieltextorientierten Wende; Übersetzer begannen „das Geschriebene zu verändern, falls das Original drohte auf die Empfindlichkeit der Leser zu stoßen“ (Movrin 2010: 109). Nicolas Perrot d’Ablancourt schrieb im Vorwort zu seiner Lukian Übersetzung z.B. Folgendes: „Anstatt für das, was der Autor sagte, habe ich mich für das entschieden, was gesagt werden müsste oder was ich selber sagen würde“ ([1654] 2010: 251). Schon in der Romantik wurde jedoch das Fremde in der Literatur wieder als etwas Positives angesehen in deshalb hat man Werke beim Übersetzen nicht mehr an die Erwartungen der Zielkultur angepasst (Movrin 2010: 135–136).

Es scheint also, dass sich die dominanten Übersetzungsstrategien durch die Jahrhunderte zyklisch abwechseln. Und in welcher Phase befindet sich das heutige Übersetzen?

von Janko Trupej

Literatur

Cicero, Marcus Tullius, n.d.: On the Best Style of Orators. <http://www.classicpersuasion.org/pw/cicero/cicero-best-style.htm> (10. 8. 2014).

d’Ablancourt, Nicolas Perrot, 2013: Posvetilo k nezvesti lepotici. In: Movrin, David, 2010: Fidus interpres = Zvest prevajalec: slike iz dveh tisočletij zgodovine prevajanja, (Zbirka Studia translatoria, 2). Ljubljana: Založba ZRC, ZRC SAZU/Znanstvena založba FF. 247–253.

Hieronymus, Sophronius Eusebius, n.d.: An Pammachius: Über die beste Art zu übersetzen. <http://www.unifr.ch/bkv/kapitel3348-5.htm> (10. 8. 2014).

Movrin, David, 2010: Fidus interpres = Zvest prevajalec: slike iz dveh tisočletij zgodovine prevajanja, (Zbirka Studia translatoria, 2). Ljubljana: Založba ZRC, ZRC SAZU/Znanstvena založba FF.

Nietzsche, Friedrich, n.d.: Die fröhliche Wissenschaft. <http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/FW> (10. 8. 2014)

Tim Burton in Prag

14. 8. 2014

12_Tim Burton-AusstellungSind Tim Burton’s Filme ein Teil der populären Massenkultur oder nicht? Nein doch. Ja klar. Jein. Wer ist Tim Burton? Der Name ist nicht allen bekannt. Aber wer kennt nicht den Batman? Doch wer kennt seinen Vincent? Und seine Zeichnungen, seine Phantasiewelt, seine unverwirklichten Projekte?

Es tut mir leid, dass ich hier über etwas berichte, das sich außerhalb unseres Länderachtecks abspielt, ja, sogar über eine Ausstellung eines Mannes aus den „bösen“ USA, die mit unserer Übersetzungsproblematik auf den ersten Blick nur wenig zu tun hat … Aber ehrlich gesagt, ich kann nicht anders. Ich liebe ihn nämlich bzw. ich liebe seine Kunst: seine Phantasie, seine Horrormärchenmotive (in dieser Reihenfolge), das Schauerliche, das sich derart mit Lustigem vermischt, dass man vergisst, sich zu fürchten. „Corp’s Bride“ oder die „Nightmare before Christmas“… und der eher unbekannte „Vincent“. Das ist für mich Tim Burton. Dass er auch der Regisseur von „Batman“ war, habe ich erst dank der Ausstellung erfahren und war ein wenig verwundert. Vielleicht sogar ein wenig enttäuscht? Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob ich diesen Batman überhaupt gesehen habe.

Aber zu der Ausstellung: Also – die ist jetzt leider schon vorbei. Nachdem sie am 28.03.2014 feierlich eröffnet und am 03.08.2014 trotz herbeiströmender Schaulustiger nicht nur aus ganz Tschechien, sondern wortwörtlich aus der ganzen Welt, wieder geschlossen wurde, kann man nur noch hoffen, dass sie bald auch in einer anderen europäischen Stadt gezeigt wird. Schön war sie. Amüsant war sie. Man konnte sich alle Kino- sowie Kurzfilme von Burton im Ausstellungskino anschauen, man konnte sich auf ein Riesenkissen werfen und ein bisschen von dem ganzen Herumstehen verschnaufen, aber vor allem: man konnte ein wenig die Art und Weise des Schaffens dieses Autoren erfahren. Wie entstehen seine Figuren? Wie entwickeln sie sich? Glaubt mir, die sind durchaus realitätsbezogen. Egal ob die tote Braut oder irgendeine nur so im Zug illustrierte Frauenfigur – die Handschrift des Meisters erkennt man auf den ersten Blick. Wenn ihr irgendwann mal in ferner Zukunft die Möglichkeit habt, euch die Ausstellung anzusehen, zaudert nicht lange. Punkt.

Kommen wir aber zu der Übersetzungsproblematik oder anders ausgedrückt: zu den offenen Fragen:

Übersetzt man in eurem Land normalerweise die Filmtitel? Und wie heißt dann z.B. „Corp’s Bride“ und „Nightmare before Christmas“ in eurer Sprache? In Tschechien (zum Glück) schon, und sie heißen so: „Mrtvá nevěsta“ und „Noční můra před Vánoci“.

Wie heißt in eurer Sprache der kleine (tote) Hund von Victor (dem Lebendigen im Reich der Toten) in der „Mrtvá nevěsta“? Bei uns ist es Kosťa (abgeleitet von Knochen, nicht Konstantin).

Und eine Frage zum Schluss – knacken wir auch noch diese Nuss?: Tim Burton hat sich unter anderem mit Illustrationen von „grausamen“ Sprichwörtern abgegeben. Eine Illustration lege ich (abfotografiert vom Ausstellungskatalog in der Hoffnung, dass man das darf) bei.
12_AusstellungsfotoDie Beschreibung dazu lautet: „Tongue Twister“. Hm, da kommen wir mit dem Tschechischen jazykolam oder dem deutschen Zungenbrecher auch nicht voran. Und wie würde man in euren Sprachen ein Bild von Mann und Frau überschreiben, die, mit dem Rücken aneinander angelehnt, blutige Hände in ihren eigenen Händen halten? „They like to hold their hands“, lautet die Überschrift auf Englisch. Das war einfach (für die Tschechen): Rádi se drží za ruce. Was aber mit einem scheinbar Augenlosen anfangen, dessen Augen bequem auf Liegestühlen liegen, mit einem Cocktail in den Händen?: „He’s giving his eyes a rest“. Aha?

Soweit, so gut. Verzeiht mir diese amerikanische Abschweifung, die (zumindest für mich) mit Amerika an sich überhaupt nichts zu tun hat. (Außerdem ist der Burton mit einer Britin verheiratet.) Ich freue mich auf eure Übersetzungsvorschläge in sechs Sprachen.

Und sollte dies nur eine leichte Sommerübung sein! Sei es uns gegönnt. Ich wünsche euch auch weiterhin einen erholsamen Sommer!

P.S. Habt ihr Tipps auf interessante Ausstellungen (egal wo?)

von Petra Grycová

 

Übersetzen kann doch jeder, oder?!

1. 7. 2014

Als junge angehende Übersetzerin bin ich ständig mit Vorurteilen über ÜbersetzerInnen und über das Übersetzen konfrontiert. Generell teile ich die (von mir) so genannten Nichtübersetzer in zwei Gruppen ein.

Zur ersten Gruppe gehören Menschen, die keine ausgebildeten ÜbersetzerInnen sind und die sich auch nie im Leben mit dem Übersetzen beschäftigt haben. Von ihnen höre ich immer dieselben Fragen: »Bedeutet das, dass du ganze Wörterbücher auswendig kannst? Sag mal, wie heißt »[beliebiges Wort einsetzen]« auf Deutsch/Englisch/[beliebige Sprache einsetzen]?« Und manchmal folgen solchen Fragen noch aufdringliche Bitten im Sinne von »Könntest du mir vielleicht diese zwei Seiten ganz schnell übersetzen? Das muss nicht genau gemacht werden, nur so, ganz schnell.« Natürlich denken sie im Traum nicht daran, mir für diese »ganz schnelle« Übersetzung auch nur einen einzigen Cent zu bezahlen. Ihrer Meinung nach braucht man für eine zweiseitige Übersetzung »so ungefähr dreißig Minuten«. Und eine halbe Stunde würde ich doch gerne opfern, um ihnen diesen Gefallen zu erweisen. Dabei wird deutlich, dass sie weder mir noch meinem Beruf gegenüber Respekt zollen.

Zur zweiten Gruppe gehören Menschen, deren Meinung nach man als Übersetzer nur den Ausgangstext verstehen muss. Solche Menschen bitten mich erst dann um Hilfe, wenn ihre Übersetzung von jemandem (meistens ist es ihr Professor) abgelehnt wird, weil sie einfach nicht verständlich ist. Diese Typen von Nichtübersetzern wissen zwar, dass man zwei Seiten nie in dreißig Minuten übersetzen kann, sie denken jedoch, dass man eine schlechte zweiseitige Übersetzung in dreißig Minuten in eine gute verwandeln kann.

Mein Vorschlag für die Nichtübersetzer aus der ersten Gruppe wäre, ein kleines Experiment durchzuführen, in dem sie einen mittelschweren Text mit vierzig Wörtern übersetzen. Dasselbe Experiment machte ich vor kurzem mit meiner Schwester, die natürlich keine Übersetzerin ist, die aber im Fremd- und Muttersprachenunterricht immer eine ausgezeichnete Schülerin war. Am Ende stellte sie erstaunt fest, dass man sehr viel Zeit braucht, um einen so kurzen Text zu übersetzen – sie brauchte zwanzig Minuten.

Und mein Vorschlag für die Nichtübersetzer aus der zweiten Gruppe lautet: Wenn es so leicht ist, aus einer schlechten eine gute Übersetzung zu zaubern, dann tun Sie es doch selbst. Dabei passen Sie aber auf, dass sie nicht mehr als fünfzehn Minuten pro Seite brauchen.

von Ana Dejanović

Newsletter

Blog

Übersetzungswürfel

Translating cube

Veranstaltungen

Events