Podiumsdiskussion: Kultur übersetzen

1. 7. 2013

Am 16. Juli 2013 um 18.30, Raum 027; Brechtbau (Wilhelmstraße 50, Tübingen)

Warum wir nicht Literatur sondern Übersetzungen lesen?

Foto Flyer 16_07_2013Wenn wir in eine Buchhandlung gehen, ist uns meistens nicht bewusst, dass der Großteil der Bücher erst einmal aus einer anderen Sprache übersetzt werden muss, bevor wir den Inhalt ohne Probleme verstehen können. Nicht Originale stehen vor uns, sondern Übersetzungen. Leider vergessen wir diese Tatsache meist beim Lesen wieder. Völlig im Verborgenen bleibt, dass nicht nur Wörter in eine andere Sprache übertragen, sondern uns ganze Kulturen, einschließlich unserer eigenen, vor Augen geführt und nahe gebracht werden.

Was könnte uns also besser dabei helfen, die Frage nach dem Übertragen von Kultur in Sprache zu beantworten als Übersetzung? Deshalb möchten wir mit Übersetzern, Autoren und Literaturwissenschaftlern über die Verknüpfung von Sprache, Literatur und Kultur diskutieren.

Wer und was?

Kurzvorträge mit anschließender Podiumsdiskussion

Matthias Jacob, Übersetzer und Dozent am Slavischen Seminar der Universität Tübingen
„Wie kann man Fremdes zulassen ohne (es) zu verfremden? – oder: was heißt das: ‘Kulturen übersetzen’?“

Dagmar Leupold, Autorin aus München und Leiterin des „Studio Literatur und Theater“ der Universität Tübingen
„Schreiben ist meine Mundart“

Mirko Bonné, Autor und Übersetzer aus Hamburg
„Der wörtliche Zweifel. Zur Praxis der Gedichtübertragung.“

Prof. Dr. Jürgen Wertheimer, Lehrstuhl für Internationale Literaturen/Neuere deutsche Literatur, Universität Tübingen
„Gefährliche Übersetzer: Zur Problematik interkultureller Vermittlung.“

Moderation: Prof. Dr. Dorothee Kimmich
Lehrstuhl für Literaturwissenschaftliche Kulturwissenschaft/ Kulturtheorie, Universität Tübingen

Hezlich eingeladen.

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Erstes Netzwerktreffen in Krakau (Programm)

2. 5. 2013

Erstes Netzwerktreffen findet von 15. bis 19. Januar 2014 in Krakau statt (Pressemeldung).

PROGRAMM

Mittwoch, 15. Januar

15.00 Uhr Modulbesprechung, Villa Decius


Donnerstag, 16. Januar

Begrüßung: Schamma Schahadat

9.30 – 11.00 Uhr Treffen Projektteam, Villa Decius

11.30 – 13.00 Uhr Treffen Projektteam mit den Werkstattleitern

13.00 Uhr Mittagessen, Villa Decius

 14.00 Uhr Einführung und Begrüßung für die Teilnehmer und Werkstattleiter

 Moderation: Schamma Schahadat

 14.30 – 17.30 Uhr Einführung in das Kulturmanagement

 Begrüßung: Małgorzata Różańska (Krakau)

Leitung:  Antje Contius (Berlin), Amalija Maček (Ljubljana), Alida Bremer (Münster)

Antje Contius, Geschäftsführerin der S. Fischer Stiftung, wird an Hand von ihren jahrelangen Erfahrungen als Kulturvermittlerin zwischen Deutschland und Ost- bzw. Südosteuropa die Möglichkeiten einer gelungenen internationalen Zusammenarbeit vorstellen – die Synergien des deutschsprachigen Raumes und dessen Kulturinstitutionen bei der Vorstellung deutschsprachiger Literatur im Ausland und der Rezeption fremdsprachiger Literatur in Deutschland sowie auf dem Gebiet der Übersetzerförderung in beide Richtungen.

Alida Bremer spricht über ihre zahlreichen Projekte, die die kroatische Literatur und Kultur dem deutschen Leser nähergebracht haben – sei es bei Präsentationen auf der Leipziger Buchmesse oder im Rahmen der Veranstaltungsreihe anlässlich des kroatischen EU-Beitritts. Sie wird den Teilnehmern die konkreten Schritte vorstellen, wie man einen fremdsprachigen Autor am besten in Deutschland platziert (Portfolio, Verlag, Übersetzung, Lesungen, Werbung u.a.).

Amalija Maček präsentiert die Übersetzerförderung in Slowenien und spricht über die Schwierigkeiten, auf die man stößt, wenn man slowenische Autoren im deutschsprachigen Raum präsentieren möchte, u.a. das Problem der zweisprachigen Verlage in Kärnten und die Problematik des kleinen Sprachraumes. Außerdem geht sie auf die Rezeption der deutschsprachigen Autoren in Slowenien ein.

Ort: Villa Decius

19.00 Uhr Gelesenes

Yoko Tawada (Berlin): Wo Europa anfängt

In ihrem Essay Wo Europa anfängt geht Yoko Tawada auf eine Reise von Japan aus westwärts mit dem Ziel Europa, dem Ziel Moskau. In Gedanken und Vorstellungen verbindet sich Kindheitsgeschichte mit sibirischen Märchen, russischer Wildnis und dem tastenden Blick auf Räume, die sich durch immer neue Geschichten ständig wandeln.

Mit dem Essay und neueren Gedichten und deren Übersetzungen macht  sich Yoko Tawada zusammen mit ihren Übersetzerinnen Ines Hudobec (Kroatisch), Magdalena Lewandowska (Polnisch) und Olha Krawtschuk (Ukrainisch) auf den Weg durch Europa und Japan und zeigt, wie Ideen, Sprachen und Texte aus Kulturen erwachsen und mit ihnen verwachsen.

Moderation: Paweł Zarychta (Krakau)

Ort: Villa Decius

Im Anschluss: Empfang

Freitag, 17. Januar

9.30 – 13.00 Uhr Kulturmanagement II – Workshops

Begrüßung: Claudia Dathe

9.30 – 11.00 Uhr 1. Einheit

11.00 – 11.30 Uhr Kaffeepause

11.30 – 13.00 Uhr 2. Einheit

Jeder Workshop wird jeweils zweimal angeboten, die Teilnehmer und Consortiumsmitglieder können zwei von drei Workshops wählen. Die Workshops finden auf Deutsch statt.

1.       Workshop zur Literaturvermittlung in Mittelosteuropa

Leitung: Renata Serednicka (Krakau)

Die europäische Literaturvermittlung wurde in Krakau von Karl Dedecius initiiert. Dank seiner Idee „Renaissance 2000“ entstand hier in der zweiten Hälfte der 90-er Jahre ein Kultur- und Literaturzentrum, das internationale Stipendien für Autoren und Übersetzer anbot.  Fast in derselben Zeit wurde in der Villa Decius die „Arbeitsgruppe Literatur“ ins Leben gerufen, die den Auftritt Polens auf der Frankfurter Buchmesse 2000 (Veranstaltungen, Begleitpublikationen etc.) organisieren sollte. Die Arbeitsgruppe Literatur ist heute als Instytut Książki (Buchinstitut) weiter aktiv. Renata Serednicka stellt am Beispiel der Villa Decius vor, mit welchen Formaten die literarischen Landschaften in Polen, der Ukraine, Weißrussland und Polen miteinander verknüpft werden.  Thema des daran anschließenden Workshops ist die Frage, welche neuen Vermittlungswege und –formate es für diese Arbeit gibt und welche Entwicklungspotentiale sich in künstlerischer Hinsicht für die nächsten Jahre ergeben.

 2.       Workshop „Übersetzer und Zeitschriftenverleger im Team“

Das Schreibheft, Zeitschrift für Literatur, begründet 1977, wird seit 1982 von Norbert Wehr herausgegeben. Es gilt als eine der führenden Literaturzeitschriften im deutschsprachigen Raum.  Das von Norbert Wehr entwickelte redaktionelle Konzept der Zeitschrift besteht darin, einen Gegenstand – sei es ein Autor, ein Buch, eine literarische Gruppe, sei es die Literatur einer Sprache – in Schwerpunkt-Dossiers zu facettieren und möglichst viele O-Töne literarischer, biographischer, übersetzerischer oder wissenschaftlicher Auseinandersetzung zu versammeln.
Keine Potpourries sollen so entstehen, keine Additionen guter und wichtiger Texte – Anspruch ist vielmehr, ein Gespräch zwischen Schriftstellern, ihren Büchern und Konzepten zu inszenieren sowie geistesverwandtschaftliche Echo-Räume und kommunizierende Röhrensysteme herzustellen.
Norbert Wehr wird am Beispiel ausgewählter Hefte Auskunft geben, wie er mit Autoren und Übersetzern zusammenarbeitet, damit diese Schwerpunkte entstehen.

Leitung: Norbert Wehr (Köln), Alida Bremer (Münster)

Moderation: Schamma Schahadat (Tübingen)

3.       Der Übersetzer kommt aus dem Schrank – Workshop zur Rolle des Übersetzers

Leitung: Iwona Nowacka (Krakau)

Der Workshop Übersetzer tritt aus dem Schatten heraus, er kommt aus dem Schrank und Keller hat das Ziel, die Rolle des Übersetzers in der Außenwelt, außerhalb des übersetzerischen Prozesses zu reflektieren. Im Mittelpunkt stehen die Stichbarkeit des Übersetzers, seine Rolle als Kurator der eigenen Ideen und sein Einfluss auf die Kulturvermittlung.

Ort: Villa Decius

15.00 – 18.00 Uhr Getauschtes  – Gemogeltes – Gespieltes – Gesucht und gefunden:  Die Seiten der Übersetzung

Begrüßung: Goethe-Institut

Getauschtes: Ryszard Wojnakowski (Krakau): Übersetzen in große und kleine Sprachen. Asymmetrien

Trotz vielfältiger Bemühungen können die Literaturvermittler und hier insbesondere die literarischen Übersetzer nur sehr wenig Einfluss auf die Politik der Verlage nehmen. Für die Verlage zählt heutzutage die marktgerechte Umsetzung des literarischen Erfolgs, wichtig ist das florierende Geschäft mit dem Buch, weniger die literarische Qualität. Wie sich literarische Übersetzer hier positionieren und welche Rolle die kleinen Sprachen dabei spielen, beleuchtet Ryszard Wojnakowski in seinem Vortrag.


Parallel:

Gemogeltes: Dinge, die es anderswo nicht gibt

Ob Farbbezeichnungen, Mischsprachen, Gefühlslagen, Orte, Modeströmungen, Gedenkformen oder Feiertage – jede Kultur kennt typische Phänomene, die in anderen Kulturen unbekannt sind. Übersetzerinnen und Übersetzer aus  dem Übersetzungsprojekt TransStar Europa machen solche Phänomene in Deutschland, Kroatien, Slowenien, Polen, Tschechien und der Ukraine ausfindig und zeigen, wie sie in literarischen Übersetzungen damit verfahren.

Moderation: Radovan Charvát (Prag)

Gesucht und gefunden: Literatur live übersetzen

Jurko Prochasko (Lwiw), literarischer Übersetzer aus dem Deutschen ins Ukrainische, und Dorota Stroińska (Berlin) übersetzen mit dem Publikum gemeinsam Goethes Wahlverwandtschaften und demonstrieren den Prozess vom Lesen des ersten Satzes über die Suche nach brauchbaren Formulierungen bis hin zur fertigen Textpassage. Die Die Übersetzung gestaltet sich als doppelter Dialog: zwischen Publikum und den Übersetzern.

Gespieltes: Was wir für unübersetzbar halten – Sammelwand für jedermann

An einer großen Plakatwand kann jeder mitsammeln: Verwirrendes, Unübersetzbares, Mehrdeutiges.

Moderation: Tanja Žigon (Ljubljana)

Ort: Goethe-Institut Krakau

19.00 Uhr

Gespieltes: Ulrike Almut Sandig (Berlin) & Marlen Pelny (Berlin): Dichtung für Freunde der Popmusik

So rhythmisch wie klangvoll liest Ulrike Almut Sandig Gedichte aus ihren Bänden DICKICHT und STREUMEN; Marlen Pelny begleitet sie mit Gitarre und Stimme. Das Ergebnis ist ein dritter Weg neben Gedicht und Songpoetry und beglückt nebenbei auch die Freunde der Popmusik, die immer behaupten, Gedichte wären nichts für sie. Aber wer will schon weg, wenn »leis aus zwei blauen Boxen ein fast verschwundener Ozean rauscht«?

Ort: Alchemia

Samstag, 18. Januar

9.30 – 13.00 Uhr

Gutachten für Verlage (Gruppenarbeit)

Begrüßung: Amalija Maček (Ljubljana)

Leitung: Claudia Dathe (Tübingen), Daniela Kocmut (Graz), Kristina Kallert (Regensburg)

Zu einer Aufgabe von literarischen Übersetzern gehört es, sich als Scout auf dem Literaturmarkt zu betätigen, neue Bücher und Autoren ausfindig zu machen und diese an Verlage und Kulturveranstalter heranzutragen. Im ersten Teil der  Veranstaltung werden gemeinsam Leitlinien zur Erstellung von Verlagsgutachten zusammengetragen. Im zweiten Teil  erarbeiten die Teilnehmer in einer Gruppenarbeit  ein Gutachten zu einem Buch ihrer Wahl. Diese Gutachten werden im dritten Teil präsentiert und gegenseitig bewertet.

Ort: Villa Decius

15.00 – 17.00 Uhr Gelesenes

Neue deutsche Prosa, frisch übersetzt

Begrüßung: Elżbieta Kapral

Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Projekt „TransStar Europa“ lesen aus ihren Übersetzungen

Lukas Laski liest aus Peter Licht „Die Geschichte meiner Einschätzungen am Anfang des dritten Jahrtausends

Egal ob Geld, Liebe, Sonne oder Sofa, bei Peter Licht flicht  sich in jeden Satz ein neues Schillern, das die Dinge erst ein bisschen und schließlich vollkommen anders erscheinen lässt, als sie eben noch waren, bis vom Ursprünglichen nichts mehr übrig ist.

Sofia Zucharska liest „Der erste Schnitt“ aus dem Erzählband Büchsenlicht von Svenja Leiber

Jula, die Polizistentochter und die anderen Jugendlichen im Dorf – eine Geschichte des Irrens zwischen unbestimmter Hoffnung im Erwachsenwerden und einem abschnürenden Unbehagen in der Trostlosigkeit eines vorherbestimmten Lebens.

Karolina Matuszewska liest aus:  „Nichts ist wie“ von Zsuzsanna Gahse

Rosa kommt aus der ihr vertrauten Welt in Ungarn in die deutsche Fremde, ihr Ankommen vollzieht sich über das Erlernen von Sprachfloskeln und das Auffinden von Kaffeehäusern.

Magdalena Stefańska liest aus „Aller Tage Abend“ von Jenny Erpenbeck

„Was wäre wenn?“, fragt Jenny Erpenbeck in ihrem Roman, der mit seinem Figuren und Schicksalen das ganze 20. Jahrhundert umschließt.  Welche Konsequenzen hat es für die Hinterbliebenen, wenn jemand stirbt? Welche Wende erfährt das Leben durch den Tod? Und für den Toten: Was hätte noch werden können, welches Leben kann nicht mehr gelebt werden?

Moderation: Sława Lisiecka (Łódź)

Ort: Café Czuły Barbarzyńca

19.00 Uhr Gekreuztes

Lesung und Gespräch: Sylwia Chutnik „Dzidzia“ mit dem Übersetzerinnentandem Magda Wlostowska und Sofia Zucharska

Titelheldin ist ein Kind, das mit Wasserkopf und ohne Glieder geboren wurde. Vor einem halben Jahrhundert hat Dzidzias Großmutter bei den Deutschen zwei Polinnen denunziert, die Flüchtlinge aus dem durch den Aufstand vernichteten Warschau waren. Das „Rumpf-Kind“ wird zu einem Medium, das Kontakt zur Kriegswirklichkeit hat. Das Buch initiierte eine Unmenge von Fragen bezüglich der Nationalkomplexe, des polnischen Katholizismus und Antisemitismus und belebte die Diskussion über die patriarchale Ordnung. All das sowie die Begegnung der Übersetzerinnen Magdalena Włostowska und Zofia Sucharska mit „Dzidzia“ werden Gegenstand des Lese- und Gesprächsabends sein.

Ort:  Bunkier sztuki

Moderation: Olaf Kühl (Berlin)

Sonntag, 19. Januar

10.00 Uhr Abschlussbesprechung Consortium

 

Adressen der Veranstaltungsorte:

Villa Decius, ul. 28 Lipca 1943 Roku 17a

Goethe-Institut Krakau, Rynek Główny 20

Café Czuły Barbarzyńca, ul. Powiśle 11

Alchemia, ul. Estery 5

Bunkier Sztuki, Plac Szczepański 3a

 

 

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Kick-off-Veranstaltung in Prag

1. 5. 2013

Am 18. April 2013 fand die feierliche Eröffnung des Projektes TransStar Europa an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag statt, die von den beiden tschechischen Partnern des Projektes, dem Institut für Germanische Studien der Karlsuniversität und dem Collegium Bohemicum, organisiert wurde. Štěpán Zbytovský, der das Vorabendprogramm eröffnete, stellte kurz das ganze Projekt vor. Danach sprach der Übersetzer Radovan Charvát über seine Eindrücke und Erfahrungen mit der ersten Werkstatt, die Anfang des Monates im polnischen Łódź stattgefunden hatte. Er äußerte seine große Zufriedenheit mit der Kooperation innerhalb seiner Gruppe, die sich sehr schnell „eingespielt“ hatte. Interessant fand er auch die Diskussion mit den ins Slowenische und Polnische übersetzenden Teilnehmern über die Übersetzung zweier Absätzen von Grass´ Die Blechtrommel, an der sich alle Teilnehmer versucht hatten. Als zweiter Gast der Prager Veranstaltung sprach die Vorsitzende des tschechischen Übersetzerverbandes Obec překladatelů, Frau Hana Linhartová, die diese Dachorganisation der literarischen Übersetzer mit Hinsicht auf beginnende Übersetzer/Innen vorstellte: der Verband organisiert u.a. auch Werkstätten und einen Wettbewerb für Nachwuchsübersetzer, vergibt verschiedene Preise und einen „Antipreis“ für schlechte Übersetzungen – alles mit dem Ziel, das Niveau des literarischen Übersetzens in Tschechien aufrechtzuerhalten. Aufmerksam gemacht hat Frau Linhartová jedoch auch auf die Schattenseiten der Übersetzerarbeit in Tschechien, die leider bisher keine gute Stellung „auf dem Markt“ hat. Als letzter bekam Herr Vratislav Jiljí Slezák das Wort, der zu den besten zeitgenössischen Übersetzern aus dem Deutschen ins Tschechische gehört (Hermann Hesse, Thomas Mann, Heinrich Böll u.v.m.). Seinen spannenden Vortrag über die Übersetzerpraxis mit zahlreichen konkreten Beispielen verfolgte das hauptsächlich aus Studenten bestehende Publikum mit großer Aufmerksamkeit. Die sich anschließende lebhafte Diskussion mit allen drei Gästen zeigte, dass das Interesse beim Publikum wirklich groß war.

Radio Vltava berichtete über das Projekt.

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Werkstatt in Łódź

1. 5. 2013

In Łódź  tagen vom 5. bis zum 7. April 2013 die Arbeitsgruppen Deutsch-Slowenisch (Werkstattleitung: Amalija Maček), Deutsch-Tschechisch (Werkstattleitung: Radovan Charvát) und Deutsch- Polnisch (Werkstattleitung: Sława Lisiecka).


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Auszug aus dem Werkstattbericht von Amalija Maček (Deutsch-Slowenisch)

Nach der Vorstellungsrunde haben alle drei Gruppen an der Übersetzung der ersten zwei Abschnitte von Günther Grass´ Blechtrommel in die jeweilige Sprache gearbeitet. Was zunächst wenig Text erschien, entpuppte sich als wahre Herausforderung. In sehr wenig Zeit haben die Teilnehmer sehr gute Vorschläge erarbeitet. Wir diskutierten über archaische Worte, über die Doppeldeutigkeit (spregledati auf Slowenisch kann im Deutschen durchschauen  oder übersehen bedeuten), über das Bild des einen Auges. Eine längere Diskussion entfachte sich bei dem Wort Knotengebilde, wobei es viele unterschiedliche Vorschläge gab (vozlovje, tvorba, skulptura, kompozicija). Wir haben uns für tvorba entschieden, denn es hat etwas Organisches, was sich schön mit dem Knorpel und anderen medizinischen Ausdrücken verbindet. – Besonders erfreulich war es, dass die Teilnehmer auch Abweichungen von der Normsprache und rhythmische Elemente des Originals wahrgenommen haben.

In der deutsch-slowenischen Werkstatt wurde ferner an der Übersetzung des Textes Salzwasser von Almut Sandig gearbeitet. Der Text hat den Teilnehmern ausgesprochen gut gefallen und sie haben zu Hause auch sehr gute Übersetzungen vorbereitet. Im Laufe der Arbeit haben wir sehr viele Verknüpfungen, Wiederholungen und Symbole entdeckt, wobei man die Lust am Übersetzen spüren konnte. Der Text hat uns mit der Zeit sogar immer besser gefallen. Es gab einige schwierige Stellen, wo wir mit den Lösungen noch nicht ganz zufrieden waren.

Unsere Arbeit war sehr produktiv, wir gingen den Text wirklich Satz per Satz durch und diskutierten über Autos, Haare, negative Anspielungen, Entfremdung in der Familie, Herkunft des Vaters usw., aber auch über allgemeine übersetzerische Probleme, etwa wie weit man bei der Übersetzung der Umgangssprache gehen darf, wie man Dialoge übersetzt, die nicht in Anführungszeichen stehen, wie man die Sprache lebendiger machen kann, wie man Wiederholungen oder Alliterationen an richtigen Stellen einfügen und an anderen Stellen vermeiden soll.

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Werkstatt in Kiew

1. 5. 2013

In Kiew  tagen vom 5. bis zum 7. April 2013 die Arbeitsgruppen Deutsch-Kroatisch (Werkstattleitung: Andy Jelčić), Deutsch-Ukrainisch (Werkstattleitung: Jurko Prochasko) und Ukrainisch-Deutsch (Werkstattleitung: Claudia Dathe).

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Werkstattbericht von Claudia Dathe (Ukrainisch-Deutsch)

Übersetzungen beginnen

Die Kiewer Übersetzungswerkstatt startete mit einer gemeinsamen Arbeit der deutsch-kroatischen, deutsch-ukrainischen und ukrainisch-deutschen Gruppe.  Zusammen mit den Werkstattleitern Jurko Prochasko, Andy Jelčić und Claudia Dathe analysierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Text „Salzwasser“ von Ulrike Almut Sandig. Im Mittelpunkt der Analyse stand dabei die Frage, welche Informationen über die Protagonisten, ihr Umfeld und ihre Lebenskonstellationen dem Text zu entnehmen sind und wie sich diese Informationen im Kopf des Übersetzers zu Vorstellungen und Assoziationen erweitern und in den nachfolgenden Arbeitsschritten in die Übersetzung einfließen (können).

Die ukrainisch-deutsche Werkstatt unter Leitung von Claudia Dathe widmete sich der Übersetzung von Essays des ukrainischen Gegenwartsautors Jurij Izdryk. In seiner Essaysammlung „Der 2-Gigabyte-Stick“ versammelt Izdryk unter anderem Texte über die westukrainischen Städte Lemberg und Iwano-Frankiwsk, die Gegenstand der Übersetzung waren. In der Übersetzungsdiskussion ging es unter anderem um die Frage, wie die intime Kenntnis der westukrainischen Orte, die der Autor zweifelsohne mit vielen Lesern des Originals teilt, einem deutschsprachigen Lesepublikum nahe gebracht werden können, denen diese Kenntnis fehlt.

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Werkstatt in Tübingen

1. 5. 2013

In Tübingen tagen vom 5. bis zum 7. April 2013 die Arbeitsgruppen Slowenisch-Deutsch, Tschechisch-Deutsch, Kroatisch-Deutsch, Polnisch-Deutsch. Im Verlauf von drei Tagen arbeiten die Teilnehmer sprachpaarbezogen mit ihren Werkstattleitern und gruppenübergreifend zusammen. In den gemeinsamen Arbeitsphasen werden die Teilnehmer sprach- und kulturübergreifende Fragen des literarischen Übersetzens erörtern und für ihre Textarbeit fruchtbar machen. Ziel ist es dabei insbesondere, kulturspezifische Herangehensweisen an das Übersetzen zu identifizieren und aus den unterschiedlichen Erfahrungen zu lernen.

In der Arbeitsgruppe Slowenisch-Deutsch bearbeitet die Werkstattleiterin Daniela Kocmut mit den Teilnehmern unter anderem einen Text des slowenischen Gegenwartsautors Maruša Krese.

Matthias Jacob behandelt in der Arbeitsgruppe Kroatisch-Deutsch an fünf Beispieltexten konkrete Probleme der Übersetzung kroatischer literarischer Texte und unternimmt den Versuch, sie zu systematisieren und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Ausgangs- und Zielsprache herauszuarbeiten.

Die Arbeitsgruppe Polnisch-Deutsch mit dem Werkstattleiter Olaf Kühl nähert sich dem Übersetzen über die Diskussion der Textauswahl. Die Teilnehmer haben mit Tomasz Rózycki, Sylwia Chutnik und Ignacy Karpowicz Autoren mit einer außerordentlichen stilistischen Bandbreite gewählt. In den Werkstatttagen wird es darum gehen, die Übersetzungsprobleme und mögliche Lösungen zu skizzieren und so die weitere Arbeit im Anschluss voranzubringen.

Kristina Kallert arbeitet in der Gruppe Tschechisch-Deutsch zunächst mit allen Teilnehmern an einem gemeinsamen Text von Jan Balabán.

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Auszug aus dem Werkstattbericht von Daniela Kocmut (Slowenisch-Deutsch):

Am Vormittag (5. April)  fand die gemeinsame Gruppenarbeit mit den anderen Werkstätten statt, bei der allgemeine und spezifische Phänomene des literarischen Übersetzens aus Südosteuropäischen Sprachen ins Deutsche behandelt und diskutiert wurden. Dabei haben die WerkstattleiterInnen von ihren beruflichen Erfahrungen berichtet und die Teilnehmer konkrete Fragen zu Übersetzungsproblemen gestellt. Es entstand eine angeregte Diskussion, bei der auch viele dieser Fragen gemeinsam beantwortet werden konnten.

Am Nachmittag (5. April) fand die erste Werkstatt in Einzelgruppen statt, die wir mit einer „Icebreaker-Aktivität“ gestartet haben, bei der sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen bei den Probeübersetzungen für die Projektbewerbung ausgetauscht haben. Sie sollten auf einer Kopie ihre Erfahrungen zu folgenden Punkten notieren:

Alle von uns haben die Erfahrung gemacht, dass … Artikel, Wortspiele, Generelle Schwierigkeiten, Nähe vs. Distanz

2-3 von uns haben die Erfahrung gemacht, dass … Partikel, Interpunktion

1 von uns hat die Erfahrung gemacht, dass … Reime bei Lyrik, Schöpfung von Eigennamen, Lexik, Interjektionen

Keine/-r von uns hat die Erfahrung gemacht, dass … literarisches Übersetzen langweilig ist

Danach haben wir die Antworten der TN auf einem Flipchart gesammelt:

flipchart

Um den Einstieg in die Übersetzungsanalysen einzuleiten, haben wir uns zunächst mit Übersetzungen der Gedichte von Maruša Kreses Lyrikband „Yorkshire-Tasche“ befasst, indem wir den AT und den ZT miteinander verglichen und diskutiert haben. Dabei haben wir auch über wichtige Punkte der Lyrikübersetzung gesprochen und ich habe auf einige wichtige Faktoren hingewiesen, die beim Lyrikübersetzen beachtet werden müssen. Dazu zählen auch allgemeine Informationen wie z.B., dass man zur/zum Autorin, zum Werk recherchieren muss, Rezensionen lesen und die Biografie kennen sollte, ehe man sich ans Werk macht (oder spätestens beim Überarbeiten eines Textes, falls man nicht „voreingenommen“ sein möchte).


Auszug aus dem Werkstattbericht von Matthias Jacob (Kroatisch-Deutsch):

Alle 5 Werkstattteilnehmende haben im Vorfeld des Treffens 5 Passagen aus kroatischen Romanen übersetzt, ihre Übersetzungsvarianten wurden in einer intensiven gemeinsamen Lektüre verglichen und die auftretenden Probleme eingehend erörtert und dabei versucht die jeweiligen spezifischen translatorischen Probleme der Texte herauszuarbeiten. Neben der Besprechung im Plenum wurde auch das gegenseitige Lektorieren bzw. Redigieren erprobt. Da in dem Kurs Teilnehmende aus Österreich, der Schweiz und Deutschland waren und wir somit 3 Varianten des Deutschen diskutieren konnten, ergab sich bisweilen ein überraschender produktiver Verfremdungseffekt, der sich insbesondere beim mündlichen Vortrag der übersetzten Texte bemerkbar machte.

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Kick-Off-Veranstaltung TransStar Europa in Kiew

1. 5. 2013

In Kiew fand am 5. April, 19.00 Uhr, im Goethe-Institut ein Abend der Literatur, Übersetzung und Musik statt, auf dem die Prosaautorin Dzwinka Matijasch, die Übersetzer Andy Jelcič, Jurko Prochasko und Claudia Dathe sowie der Autor und Redakteur Jurko Izdryk mit seiner Band Drumtiatr auftraten.

Das Literatur- und Übersetzungsprojekt „Transstar Europa“ ging in der Ukraine mit der Kick-off-Veranstaltung am 5. April in Kiew an den Start

von Maria Shubchyk

Das Interesse am neuen Projekt ist in der Ukraine ungebrochen groß, wovon die hohe Anzahl der Gäste zeugte (die Mehrheit davon Übersetzer, Journalisten, Hochschullehrer, Studierende und andere Akteure der Literaturbühne in der Ukraine), die sich an dem Auftakt im Veranstaltungssaal des Goethe-Instituts Ukraine beteiligten.

Diese Veranstaltung diente zum Kennenlernen der beteiligten Projektpartner sowie zur Darstellung des Gesamtprojekts für die breitere Öffentlichkeit. Das Publikum wurde durch Dr. Petra Köppel-Meyer (stellvertretende Institutionsleiterin des Goethe-Instituts Ukraine) und Prof. Taras Kyjak, (Nationale Taras Schewtschenko-Universität) begrüßt.

Die Moderatorin der Veranstaltung, Dr. Maria Ivanytska, beschrieb in einem kurzen Einstieg ins Thema die Lage der ukrainischen Literatur und ihrer Übersetzung im Kontext der europäischen und stellte drei Arbeitsgruppen (deutsch-ukrainisch, ukrainisch-deutsch und deutsch-kroatisch) vor. Die Koordinatorin des Projektes, Claudia Dathe, fasste für die Gäste der Veranstaltung das Gesamtkonzept und die Ziele des Projektes zusammen und gab einen kurzen Einblick in die geplanten Maßnahmen von „Transstar“.

Auf die Gäste wartete ein öffentliches Gespräch mit den Mentoren der Übersetzergruppen Claudia Dathe, Andy Jelčić und Jurko Prochasko. Für die ukrainischen Leser war sicherlich die Meinung des kroatischen Übersetzers Andy Jelčić interessant. Er sprach darüber, wie er persönlich zur Auswahl der Texte und des Autors kommt und wie in seinen Augen der ideale Leser aussieht. Besprochen wurde auch die Rezeption der deutschsprachigen Literaturwerke in Kroatien. Die gleiche Frage wurde auch an den ukrainischen Übersetzer Jurko Prochasko gestellt, der die ukrainische Leserschaft schon mit mehreren deutschsprachigen Autoren vertraut gemacht hat.

Selbstverständlich war das Publikum auch daran interessiert zu hören, wie die ukrainische Literatur im Ausland wahrgenommen wird. Leider beherrschen nicht viele Übersetzer ins Deutsche die ukrainische Sprache, aber zum Glück wird die ukrainische Literatur von denjenigen mit großem Eifer popularisiert, die in dem Bereich tätig sind. So wie beispielsweise Claudia Dathe, die mehrere ukrainische Werke (z.B. von Serhij Zhadan, Tanja Malyarchuk, neulich auch von Maria Matios) ins Deutsche übersetzt hat. Bei der Diskussion musste Claudia auf ziemlich provokative Frage antworten, was der deutschsprachige Leser von der ukrainischen Literatur erwartet und ob diese als Teil der europäischen oder eher als exotische wahrgenommen wird.

 Ukrainische Literatur aus erster Hand boten die beiden Autoren Dzvinka Matijasch und Jurko Izdryk. Die beiden sind einander schöpferisch polar entgegengesetzt: die ruhige und sehr tiefe Prosa von Dzvinka ist ein absoluter Gegensatz zum satirischen und manchmal zynischen schriftsprachlichen Stil von Izdryk.

Die Texte können auch mal anders zum Ausdruck gebracht und neu gestaltet werden – das bewies die Band Drumtiatr, bestehend aus den Literaturschaffenden Gryhorij Semenchuk, Jurko Izdryk und Olexij Gmyrja. Das Publikum war offenbar von dem Spiel mit den Worten, Visualisierungen und Musik total begeistert.

Der gut gelungene Abend endete mit einem kleinen gemütlichen Buffet.

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Kick-Off-Veranstaltung TransStar Europa in Łódź

1. 5. 2013

Der polnische Autor Daniel Odija liest im Club Nauczyciela aus seinen Werken.

Odija studierte polnische Literatur an der Universität Danzing (Uniwersytet Gdański) und begann beim polnischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Telewizja Polska als Journalist seine berifliche Karriere. Bereits zu dieser Zeit veröffentlichte er mehrere Kurzgeschichten. Sein erter Roman, betitelt Ulica (2001), wurde 2012 ins Deutsche übersetzt und erschien im renommierten Paul Zsolnay Verlag in Wien unter dem Titel Auf offener Straße (übersetzt von Martin Pollack). Auch sein zweites sozialkritisches Roman (Tartak, 2003), erschien in der Übersetzung von Martin Pollack im Paul Zsolnay Verlag (Das Sägewerk, 2006).

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Kick-Off-Veranstaltung TransStar Europa in Tübingen

21. 4. 2013

Eveline Passet: Im Bergwerk der Sprache. Die deutsche Sprache im Übersetzen.

Kann man sagen „Wowereit bekundet Trauer für Juhnke“? Warum zuckt ein in der Nazi-Zeit aufgewachsener Mensch womöglich vor dem Wort „schlagartig“ zurück? Wie erkläre ich meinem ausländischen Chat-Partner das deutsche „tja“? Warum sind die Schachtelsätze des Barock heute so schwer zu lesen? Und was erzeugt den Stakkato-Sound in manchen zeitgenössischen Texten?

Übersetzer erschaffen literarische Werke in anderen Sprachen neu: vom Roman bis zum mundartlichen Theaterstück, vom wissenschaftlichen Traktat bis zu Briefwechseln und Lebenserinnerungen. Der Text ist ihnen in der fremden Sprache vorgegeben, und doch schreiben sie selbst. Welche Wege sie finden, um Werke in einer anderen Sprache neu erstehen zu lassen, zeigt Eveline Passet zur Eröffnung des EU-Projekts TransStar Europa anhand interessanter Episoden aus dem Band „Im Bergwerk der Sprache“.

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