Mit dem Kulturzug nach Pilsen

13. 10. 2015

Den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ teilen sich in diesem Jahr das belgische Mons und das tschechische Pilsen. Die tschechisch-deutsche Gruppe machte sich auf den Weg in die westböhmische Stadt, die mit vielen Aktionen 2015 auf sich aufmerksam machte und zeigte, dass sie weitaus mehr zu bieten hat als Bier und Industrie. So fuhr zum Beispiel von Januar bis September am Wochenende der  „Zug zur Kultur“ von Regensburg nach Pilsen und zurück, Veranstalter dieser Aktion war das Zentrum Bavaria Bohemia (CeBB). Hier hatten Musiker, Literaten und Unterhaltungskünstler Raum und eine Stunde Zeit, den Reisenden die Fahrt kurzweilig zu gestalten und leisteten gleichzeitig einen Beitrag zum kulturellen Geschehen beider Länder – nicht zuletzt auch mit dem Fokus auf  kulturelle Vermittlung zwischen beiden Ländern. Angekündigt als Transstar-Gruppe, traten Martina Lisa, Martin Mutschler und Daniela Pusch am 26.09.2015 im Zug zur Kultur auf. Was dem gewöhnlichen Regionalzug sein Mehrzweckabteil, das war im Kulturzug die Bühne. Hier gab es genug Platz für Performer, Technik und Publikum, das sich auf die Klappsitze rundherum niederlassen oder einen Stehplatz nach Belieben wählen konnte. So lösten sich die Grenzen zwischen den Vortragenden und den Zuhörenden auf, man war sich nah, und wären da nicht das ständige Gerappel und Gerüttel und die üblichen Durchsagen für die Fahrgäste gewesen, hätte man auch von Wohnzimmeratmosphäre sprechen können. Die Transstar-Gruppe hatte vor allem Lyrik auf dem Programm, die von Marie Jiránková ästhetisch ansprechend gestaltete Lyrikfahrkarte bot den Reisenden einen Vorgeschmack:

ich stell mir vor
red mir ein
hier
könnte
ich
auch
leben

Wörter, die so schnell an einem vorbei ziehen wie die Landschaft hinter dem Fenster bei einer Zugfahrt: Rekvizity – ein Gedicht von Jan Těsnohlídek, das uns da abholte, wo wir waren, im Zug. Das Zugfahren also als Rahmen, dazu noch ein paar prosaische einleitende bzw. abschließende Worte von Karel Aksamit (Vlakové cesty – Zugfahrten) und Jiří Hajíček (Auszug aus dem Roman Rybí krev – Fischblut). Dazwischen Nostalgisches von Jan Těsnohlídek (To nejvíc nejhezčí z podzimu – Das mit Abstand Schönste vom Herbst), Melancholisches von Jiří Daníček (Dvě lod’ky – Zwei Schiffchen), raue Töne von Petr Hruška (Chlapče – Junge!), Meditativ-Poetisches mit einem Augenwinkern von Jaromír Typlt (Víčka – Die Deckel) oder Verspieltes von Ondřej Buddeus (rtf.-Gedichte). Übersetzt und vorgetragen von Martina Lisa, Martin Mutschler und Daniela Pusch – mal als Dialog, mal versetzt als Echo, mal mit tschechischen Originaltönen, mal aus dem vorderen Bereich und mal aus der hinteren Ecke kommend. So vielseitig die Texte waren, so abwechslungsreich wirkten sie auf das Publikum, das die Stimmungen schnell auffing und merklich mitging. Lyrik mal anders, Zugfahren mal anders.

Am Abend desselben Tages fand eine zweite Lesung  des Trios in Pilsen als Veranstaltung der Reihe „Meeting Literature“ in der Deutschen Bibliothek statt. Diesmal war es ein reiner Lyrikabend, wobei die Gedichte mit wechselnden Sprechern zweisprachig vortegtragen wurden. Das Repertoire wurde dramaturgisch nur leicht geändert, mit großer Wirkung. Anders waren allerdings Rahmen, Bühnensituation und Publikum. Deutlicher hätte man es wohl nicht erleben können, was so viele „alte Hasen“ behaupten: Jede Lesung ist einmalig!

Fotos

von Daniela Pusch

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Anthologie „Alle Anderen“ – Übersetzunngen der deutsch-ukrainiscen Gruppe sind erschienen

27. 9. 2015

Titelseite Alle AnderenEindrücke von der Lwiwer Buchmesse

Im Rahmen der 22. Lwiwer Buchmesse fand am 12. September die Präsentation der Anthologie „Alle Anderen“ statt. Dieses Buch ist das Ergebnis der langen, ab und zu schwierigen, aber überaus spannenden Arbeit der deutsch-ukrainischen Gruppe an den Texten der deutschen Gegenwartsschriftsteller, die wir unter Leitung von Jurko Prochasko durchgeführt haben.

Was die Präsentation selbst anbetrifft, so war sie kurz, aber interessant und schön. Eine große Freude war für uns die Anwesenheit der berühmten deutschen Schriftstellerin Ulrike Almut Sandig, die in Form einer Performance ihre Erzählung „Salzwasser“ vorgestellt hat und ihre Eindrücke über das Projekt mitgeteilt hat.

Besonders positiv war die Möglichkeit für junge Übersetzerinnen (Olha Kravchuk und Yuliya Mykytyuk) ihre Übersetzungen vorzulesen und ihre Eindrücke über das Projekt „TransStar“ zu äußern. Es ist bemerkenswert, dass die Treffen mit den deutschsprachigen Schriftstellern und Übersetzern sowie auch das gut durchdachte und geschickt organisierte Kulturmanagementprogramm des Projekts für uns im Laufe von diesen drei Jahren von großer Bedeutung waren.

Abschließend lässt sich sagen, dass dieses Buch mit der darauf folgender Präsentation ein schönes Ende der wunderbaren Zusammenarbeit unserer Gruppe mit dem Mentor Jurko Prochasko war. Diese drei Jahre, während deren wir ein Teil des Projekts „TransStar“ sein durften, bleiben in unserer Erinnerung als Blütezeit unseres Übersetzungslebens und werden für uns als Anstoß für weitere Arbeit in diesem Gebiet dienen.

Hier finden Sie einige Fotos.

 von Yuliya Mykytyuk

Das Buch kann man direkt beim Verlag Krytyka bestellen.

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ANKÜNDIGUNG: Übersetzungswürfel: Sechs Seiten europäischer Literatur und Übersetzung

13. 9. 2015

Übersetzungswürfel: Sechs Seiten europäischer Literatur und Übersetzung

Berlin, 20.-22. Oktober 2015

 

Programm in PDF (DE, ENG)

Europäische Geschichte(n) erzählen

Nach Krakau, Stuttgart, Ljubljana, Tübingen und Prag rollt der „Übersetzungswürfel“ auf seiner letzten Station vom 20. bis 22. Oktober 2015 nach Berlin. In Vorträgen, Lesungen, Performances, Diskussionen und Konzerten werden europäische Geschichte(n) erzählt. Aktuelle Texte der europäischen Literatur werden im Original und in ihren Übersetzungen vorgestellt. Dabei sind Literatur und Übersetzung eingebunden in einen Prozess des Austauschs und Echos, so dass die Grenzen zwischen Original und Übersetzung verschwimmen. Bereits etablierte sowie junge Künstlerinnen und Künstler, Übersetzerinnen und Übersetzer aus acht europäischen Ländern gestalten den Übersetzungswürfel, und sie zeigen nicht nur herausfordernde Kunst, sondern setzen zudem einen Dialog der Generationen in Gang, gespeist aus unterschiedlichen Erfahrungs- und Wahrnehmungswelten, setzen.

Der „Übersetzungswürfel“ ist ein Projekt des Slavischen Seminars der Eberhard Karls Universität Tübingen in Kooperation mit der Literaturwerkstatt Berlin und weiteren Partnern in Polen, Tschechien, der Ukraine, Slowenien und Kroatien. Das Projekt wird gefördert mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes, der Robert Bosch Stiftung und dem Programm für lebenslanges Lernen der Europäischen Union. Weitere Informationen unter www.transstar-europa.com.

Di 20.10., 18.00

Eine Reise durch die Kunst der Übersetzung

Festakt in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung zur Förderung des literarischen Übersetzens an der Universität Tübingen

Im Kopf des Übersetzers wächst im Laufe der Jahre „aus den Ablagerungen in der Kluft zwischen den Sprachen etwas Neues, ein eigenes kleines Universum der Erinnerungen, Erfahrungen, Erkenntnisse“, schreibt Celan-Preisträgerin Esther Kinsky in ihrem Buch Fremdsprechen. Dieses Universum aus Erinnerungen, Erfahrungen und Erkenntnissen sucht der erste Abend des Übersetzungswürfels auf und zeigt in einem Festakt Übersetzen in unterschiedlichen Facetten.

Zum Einstieg liest Elke Erb (Berlin) einen Auszug aus  ihrem der Übersetzung gewidmeten Gedicht Mäander 2, der danach in fünf weiteren Sprachen erklingt.

Dr. Maja Pflüger (Robert Bosch Stiftung), Prof. Dr. Schamma Schahadat (Universität Tübingen), Friederike Tappe-Hornbostel (Kulturstiftung des Bundes) und Dr. Thomas Wohlfahrt (Literaturwerkstatt Berlin) widmen sich in ihren kurzen Grußworten dem literarischen Übersetzen aus theoretischer und praktischer Perspektive.

Jurko Prochasko (Lviv) spricht in seinem Festvortrag Europäische Lebensläufer über seine Erfahrungen und Erinnerungen als kultureller Vermittler in einem geteilten und später langsam zusammenwachsenden Europa des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Irena Smodiš (Ljubljana) widmet sich dem Thema Austausch und Verflechtung in der Gegenwart, die geprägt ist von permanenter Mobilität und medialer Simultanität.

Wie sich ein Übersetzer in einen Text verliebt, mit ihm ringt, vielleicht auch scheitert, zeigen anschließend pantomimisch Yulia Mykytjuk (Lwiw) und Anja Wutej (Berlin).

Das Gedicht Abschiedsverse von Elke Erb, auch dies infünf Übersetzungen ins Polnische, Tschechische, Kroatische, Slowenische und Ukrainische, rücken daraufhin noch einmal die Polyphonie mehrsprachiger Poesie ins Bild.

Zum Abschluss präsentiert der bosnische Sänger Damir Imamović (Sarajevo) Sevdah-Musik, in der er die Überlieferung altslawischer Balladen mit Melodien osmanischer Wandertruppen und der Tradition der europäischen Romantik vereint.

Nach dem Konzert findet ein Empfang statt.

Robert Bosch Stiftung, Repräsentanz Berlin, Französische Straße 32, 10117 Berlin

Eintritt frei

Mi 21.10., 19.00 Uhr

 

Poesie aus Polen, Slowenien und Tschechien

In Lesung und Gespräch Andrzej Kopacki (Warschau), Veronika Dintinjana (Ljubljana), und Ondřej Buddeus (Prag)

Andrzej Kopackis Poesie zeigt eine festgefügte Welt, die in Reglosigkeit zu erstarren scheint, in deren Routine jedoch immer wieder die „Anderen Launen“ einbrechen, die Kopackis im Herbst erscheinendem Gedichtband seinen Namen gegeben haben. Seine ausdauernden, facettierten Beobachtungen einzelner Dinge dehnen die Zeit und umreißen das Innehalten.

Eine italienische Kulisse – ländlich mit Ölbäumen, Sonnenblumenfeldern und Getreide, urban mit Heiligen, Türmen und gotischen Wölbungen – verwebt Veronika Dintinjana in ihrem Gedichtband Gelb brennt der Forsythienstrauch zu faszinierenden Sommerimpressionen, in denen die Menschen stets aufs Neue befremden.

Moderne Lebensbilder, Details des (technisierten) Alltags entstehen in den Gedichten von Ondřej Buddeus in seinem Band Mauersegler (2012). Sie stiften eine Verwirrung zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit, zwischen realer, gespielter und virtueller Welt, die sich auch in ungewöhnlichen optischen Formen zeigt.

Dagmar Leupold ist im Gespräch mit Kopacki, Dintinjana und Buddeus und mit ihren Übersetzer­_innen Marlena Breuer, Jakob Walosczyk (Kopacki), Anja Wutej (Dintinjana) und Martina Lisa (Buddeus).

Moderation: Dagmar Leupold (Tübingen)

Dolmetschen: Amalija Maček (Ljubljana)

Literaturwerkstatt Berlin, Knaackstraße 97 (Kulturbrauerei), 10435 Berlin

Eintritt: 5 €/ 3 €

Do, 22.10., 19.00 Uhr

Star & TransStar: Ulrike Almut Sandig (Berlin) und Hryhorij Semenchuk (Lwiw)

Performance und Lesung

Ulrike Almut Sandig und Hryhorij Semenchuk performen, musikalisch unterlegt, ihre deutschen und ukrainischen Gedichte, Gedichte über Flugbilder und vermintes Gelände, über zweistimmig singende Vögel mit Menschengesicht, über Mädchenträume und Märchen, über russisches Fernsehen, einen verwaschenen November und einen Frühling, der Lexus fährt, Gedichte, entstanden in der Zone des Krieges im ukrainischen Osten und in der rasenden Ratslosigkeit der Tage.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des EU-Projekts TransStar Europa  lesen dazu Texte aus der Anthologie TransStar Europa. Geschichte(n) erzählen:

Ukraine: Saschko Uschkalow und Myroslaw Dotschynez, präsentiert von Constanze Aka und Stefan Heck

Kroatien: Boris Dežulović, präsentiert von Anna Hodel

Slowenien: Miklavž Komelj, präsentiert von Anja Wutej

Tschechien: Radek Fridrich, Jiři Daníček, Jan Tesnolídek, präsentiert von Martina Lisa und Katka Ringesová

Polen: Tomasz Różycki, präsentiert von Marlena Breuer

Moderation: Tanja Žigon (Ljubljana)

Dolmetschen: Sofia Onufriv (Berlin)

Literaturwerkstatt Berlin, Knaackstraße 97 (Kulturbrauerei), 10435 Berlin

Eintritt: 5 €/ 3 €

Mitwirkende

Constanze Aka (*1988)

studierte (Ost)Europastudien mit den Fächern Kultur-, Literatur- und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und der Universität Passau. Nach einem Abstecher in die Welt der Europäischen Institutionen arbeitet sie nun am Institut für Europäische Politik in Berlin. Im EU-Projekt TransStar Europa übersetzt sie aus dem Ukrainischen ins Deutsche, u.a. Saschko Uschkalow und Jurij Izdryk.

Marlena Breuer (*1985)

absolvierte nach dem Abitur eine Schreinerlehre und arbeitete als Instrumentenbauerin. Studium der Slavistik in Tübingen. Im Laufe des Studiums entdeckte sie im Rahmen des Projektes Textabdrücke an der Uni Tübingen ihre Leidenschaft zum Übersetzen literarischer Texte, erst aus dem Russischen, später aus dem Polnischen. Im Rahmen des Projekts TransStar Europa übersetzt sie aus dem Roman Bestiarium von Tomasz Różycki.

Ondřej Buddeus (*1984)

ist Dichter, Übersetzer und Bühnenkünstler. Neben zwei Lyrikbänden veröffentlicht er Kinderbücher und gestaltet multimediale Theateraufführungen.

Daniela Čančar (*1982)

studierte Germanistik in Sarajevo und Literaturwissenschaft in Mostar. Von 2004 bis 2006 arbeitete sie für das Goethe-Institut Sarajevo, von 2006 bis 2011 war sie als Assistentin für deutschsprachige Literatur an der Philosophischen Fakultät Zenica tätig. Seit 2012 promoviert sie an der Universität Zadar über die Figurenporträts in den Romanen von Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek. Sie ist Teilnehmerin im EU-Projekt TransStar Europa.

Claudia Dathe (*1971)

studierte Übersetzungswissenschaft (Russisch, Polnisch) und BWL in Leipzig, Pjatigorsk (Russland) und Krakau. Von 1997 bis 2004 arbeitete sie als DAAD- in Kasachstan und der Ukraine. Nach ihrer Rückkehr arbeitete sie als freiberufliche Übersetzerin für Ukrainisch und Russisch und führte Seminare für Nachwuchsübersetzer durch. Seit 2009 ist sie am Slavischen Seminar der Universität Tübingen tätig, seit 2013 als Koordinatorin des EU-Projektes TransStar Europa und als künstlerische Leiterin des Projekts Übersetzungswürfel.  Claudia Dathe hat u. a. die ukrainischen Autoren Serhij Zhadan, Tanja Maljartschuk und Andrej Kurkow ins Deutsche übersetzt.

Veronika Dintinjana (*1977)

ist Dichterin und Übersetzerin. 2008 gewann sie den Maribor Poesie-Wettbewerb und den 6. Ljubljana Poetry Slam. Sie hat die kentaver cultural society mitbegründet und organisiert monatliche Poesielesungen in Ljubljana.

Ana Dejanović (*1988)

studierte Übersetzen an der Abteilung für Übersetzen der Philosophischen Fakultät in Ljubljana und schloss das Bachelor-Studium 2012 ab. Seitdem studiert sie Dolmetschen an derselben Abteilung. Sie übersetzt aus dem Deutschen ins Slowenische und arbeitet seit 2013 im EU-Projekt TransStar Europa mit.

Elke Erb (*1938)

ist nach ihren Lehrerexamen 1963 und ihrer Verlagsarbeit 1963/65 Verlagsarbeit seit 1966 freiberuflich tätig. Sie übersetzt, vor allem aus dem Russischen, und schreibt eigene Texte: Kurzprosa und Lyrik. Zuletzt erschienen sind bei Urs Engeler: “Sonanz”, (2008),  “Meins”. Roughbook 006, 2010 “Das Hündle kam weiter auf drein”; Roughbook 028, 2013, Roughbook “Sonnenklar”, 2015.

Stefan Heck (*1987)

hat in Tübingen und Warschau Slavistik und BWL studiert. Seit 2013 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Slavischen Seminar der Universität Tübingen und promoviert dort zum Aspekt in den slavischen Sprachen. Im EU-Projekt TransStar Europa übersetzt er aus dem Ukrainischen und Russischen, u.a. Marianna Kijanowska und Wladimir Rafeenko.

Anna Hodel (*1982)

studierte Slavistik, Russistik und Osteuropäische Geschichte an den Universitäten Basel, St. Petersburg und Zagreb. Sie unterrichtet Russisch am Sprachenzentrum der Universität Basel und arbeitet am Slavischen Seminar Basel als wissenschaftliche Mitarbeiterin, wo sie ein Dissertationsprojekt zur südslavischen Romantik verfolgt. Anna Hodel hat schon verschiedene Veranstaltungen zwischen Literatur, Sprache und Politik betreut und ist seit 2013 Teilnehmerin im EU-Projekt TransStar Europa.

Damir Imamović (*1978)

stammt aus einer bosnischen Familie in Sarajewo mit einer langen Tradition in Literatur und Sevdah-Musik. Er startete 2005 seine Solokariere, nahm zwei Solo-CDs auf und 2012 die erste CD mit seiner Band „Sevdah Takht“, in der er zusammen mit Ivan Mihajlović und Nenad Kovačić spielt. Darüber hinaus leitet er Werkstätten und hält Vorlesungen zur Geschichte, Ästhetik und handwerklichen Kniffen des Sevdah als traditionelle Kunstform.

Andrzej Kopacki (*1959)

ist Germanist an der Universität Warschau, Übersetzer aus dem Deutschen und Lyriker. Er hat mehrere Lyrikbände veröffentlicht, darunter zwei polnisch-deutsche Ausgaben: Chanson de gestes, 2005 und An der Ampel, 2011, deren Übersetzungen von Doreen Daume stammen. Er war 2009 translator in residence an der Universität Tübingen.

Dagmar Leupold (*1955)

studierte in Marburg, Tübingen und New York Germanistik, Philosophie und Vergleichende Literaturwissenschaft und promovierte 1993 an der Graduate School der City University of New York. Seit 1985 ist sie freie Schriftstellerin und hat zahlreiche literarische Veröffentlichungen: Gedichtbände, kurze Prosa und Romane. U.a. „Eden Plaza“ (2002), „Nach den Kriegen“ (2004), „Die Helligkeit der Nacht. Ein Journal“ (2009). Zuletzt erschien 2013 der Roman Unter der Hand (Jung und Jung). Dagmar Leupold leitet seit 2004 das „Studio Literatur und Theater“ der Universität Tübingen.

Martina Lisa (*1981)

studierte Geschichte und Deutsch als Fremdsprache in Leipzig. Durch zahlreiche Reisen und längere Arbeitsaufenthalte als DaF-Lektorin in vor allem östlichen Ländern (Aserbaidschan, Russland, Tadschikistan) und durch die Sozialisierung in Tschechien und Deutschland gehört das Sich-Bewegen und Vermitteln zwischen verschiedenen Kulturen zu  den festen Grundsteinen auf ihrem Lebensweg.  Seit ihrem Studium übersetzt sie regelmäßig, hauptsächlich geisteswissenschaftliche Texte, ins Deutsche. Im EU-Projekt TransStar Europa hat sie die Gedichte von Ondřej Buddeus aus dem Tschechischen ins Deutsche übertragen.

Amalija Maček (*1971)

studierte Germanistik und Hispanistik an der Universität Ljubljana und arbeitete von 1995 bis 2001 als freiberufliche Übersetzerin und Dolmetscherin. Seit 2001 arbeitet sie als Lektorin für deutsche Sprache an der Abteilung für Translationswissenschaft der Philosophischen Fakultät Ljubljana, wo sie vor allem Übersetzen aus dem Deutschen ins Slowenische unterrichtet. Aus dem Deutschen ins Slowenische hat sie u.a. Daniel Kehlmann, Josef Winlkler, Martin Pollack und Bertold Brecht übersetzt.

Yulia Mykytjuk (*1987)

studierte Germanistik im Lemberg, Erlangen und Duisburg. Sie arbeitet als Deutschlehrerin, Übersetzerin und Dolmetscherin und ist seit 2010 Doktorandin am Lehrstuhl für deutsche Philologie an der Nationalen Iwan-Franko-Universität Lwiw. Seit 2013 nimmt sie am EU-Projekt TransStar Europa teil und hat unter anderem Silke Scheuermann und Peter Bichsel ins Ukrainische übersetzt.

Sofia Onufriv (*1970)

studierte Germanistik und Verlagswesen in Lwiw. Sie arbeitet als freiberufliche Dolmetscherin und Übersetzerin, Kulturmanagerin und -vermittlerin sowie Reiseleiterin (www.eol-reisen.de) und ist Mitglied im Übersetzerverein „Translit“ e.V. (www.translit-portal.de). Im EU-Projekt TransStar Europa hat sie aus dem Ukrainischen ins Deutsche übersetzt, darunter Lina Kostenko.

Maja Pflüger  (*1963)

studierte Germanistik und Geographie in Tübingen und Hamburg. Von 1995 -1998 arbeitete sie als DAAD-Lektorin für deutsche Literatur und Sprache in Toruń/Polen und leitete von 1999-2000 den Bereich Deutsch als Fremdsprache am Zentrum für Sprachen und Philologie der Universität Ulm. Seit 2000 ist sie in der Robert Bosch Stiftung als Projektleiterin, seit 2013 als Gruppenleiterin Kultur und Bildung im Programmbereich “Völkerverständigung Europa und seine Nachbarn verantwortlich.

Jurko Prochasko (*1970)

wurde im ostgalizischen Iwano-Frankiws’k geboren, Germanist, Übersetzer, Essayist, Publizist (Krytyka, Ji, Tygodnik Powszechny, Die Zeit, Kafka, La Repubblika, Falter, Frankfurter Rundschau, Volltext, Süddeutsche Zeitung) und Ausstellungskurator. Studierte Germanistik (1987-1992) und Psychologie (2004-2009) an der Universität Lemberg und absolvierte die Ausbildung zum Gruppenanalytiker in Altaussee (Österreich, 1997-2007). Übersetzt aus dem Deutschen (u.a. R. Musil, J. Roth, F. Kafka, R.M. Rilke, J. Hermann), Polnischen (J. Wittlin, J. Iwaszkiewicz, L. Kołakowski) und Jiddischen (Deborah Vogel). Korrespondierendes Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste (Dresden, seit Juni 2007). Friedrich-Gundolf-Preisträger für Vermittlung der deutschen Kultur im Ausland der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (Darmstadt, 2008). Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzung Translatio 2008. Im akademischen Jahr 2011-12 fellow im Wissenschaftskolleg zu Berlin und 2013 Stipendiant der Stiftung Landis&Gyr (Zug, Schweiz). Redaktionsmitglied der Kiewer Monatsschrift „Krytyka“. Jurko Prochasko lebt in Lemberg, wo er seit 1993 am dortigen Iwan-Franko-Institut der ukrainischen AW tätig ist sowie an der Iwan-Franko-Universität und dem von ihm mitbegründeten Psychoanalytischen Institut (2010) lehrt.

Katka Ringesová (*1980)

hat in Pilsen und Regensburg studiert und gearbeitet, seit 2011 arbeitet sie als Übersetzerin in Berlin. Sie übersetzt ins Tschechische und nimmt seit 2013 am EU-Projekt TransStar Europa teil.

Ulrike Almut Sandig (*1979)

ist Lyrikerin, Performerin und Prosaautorin. In diesem Jahr erschien von ihr der Erzählband Buch gegen das Vergessen.  Für das Projekt Übersetzungswürfel – Sechs Seiten europäischer Literatur und Übersetzung entwickelte sie zusammen mit Sebastian Reuter eine Klanginstallation mit Übersetzungsausschnitten zu ihrer Erzählung Salzwasser aus dem Band Flamingos.

Schamma Schahadat (*1961)

studierte  Russische und Englische Philologie an den Universitäten Köln, Exeter und Moskau und promovierte und habilitierte an der Universität Konstanz. Seit 2004 ist sie Professorin für Slavische Literatur- und Kulturwissenschaften (Russistik und Polonistik) an der Universität Tübingen. Sie leitet das EU-Projekt TransStar Europa.

Hryhorij Semenchuk (*1991)

ist Lyriker, Musiker und Kulturmanager. Er veröffentlichte mehrere Lyrikbände, ist Programmleiter des Literaturfestivals der Lemberger Buchmesse und Drummer der Band Drumteatr.

Irena Smodiš (*1990)

studierte Germanistik und Skandinavistik an der Universität Ljubljana. Während der Schul- und Studienzeit längere Aufenthalte in Wien und Berlin. Seit 2013 ist sie Teilnehmerin des EU-Projekts zur Weiterbildung junger Literaturübersetzer und Kulturmittler TransStar Europa, im Rahmen dessen sie Texte von Eugen Ruge, Peter Licht, Ulrike Almut Sandig und Raoul Schrott ins Slowenische übersetzte. Seit 2014 Mitarbeiterin des Verlages Beletrina (Ljubljana).

Zofia Sucharska (*1988)

studierte Germanistik mit dem Schwerpunkt Übersetzung in Gdańsk und Neuere deutsche Literatur in Berlin. Gegenwärtig arbeitet sie in einer Online-Werbeagentur in Berlin. Seit 2013 arbeitet sie im EU-Projekt TransStar Europa mit und übersetzt aus dem Deutschen ins Polnische.

Friederike Tappe-Hornbostel

studierte Germanistik und Philosophie in Göttingen und arbeitete von 1989 bis 1994 als Lektorin des DAAD an der Universitat de Barcelona. Von 1995 bis 2000 war sie als Referentin für internationale Beziehungen für die Weimar 1999 Kulturstadt Europas GmbH tätig. Anschließend leitete sie zwei Jahre lang die Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Gastspielorganisation des Deutschen Nationaltheaters Weimar, bevor sie im Oktober 2002 als Leiterin der Kommunikationsabteilung und Pressesprecherin zur Kulturstiftung des Bundes wechselte.

Jakob Walosczyk (*1981)

studierte Anglistik und Slavistik in Bamberg und übte anschließend Tätigkeiten in verschiedenen Bereichen der Erwachsenenbildung aus Seit Herbst 2013 arbeitet er als Lektor des DAAD in Mykolajiw/Ukraine.  Er übersetzt aus dem Polnischen und nimmt seit 2013 am EU-Projekt TransStar Europa teil.

Thomas Wohlfahrt (*1956)

studierte Germanistik und Musikwissenschaft in Halle an der Saale. Nach seiner Forschungstätigkeit an der Akademie der Wissenschaften der DDR war er 1990-1991 künstlerischer Leiter des Theaterhaus Berlin und verantwortet als Gründungsdirektor der Literaturwerkstatt Berlin jährlich etwa 100 Veranstaltungen aus den Bereichen Kunst, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Anja Wutej (*1985)

studierte Germanistik und Sicherheitswesen in Ljubljana, Maribor, Lissabon und Berlin. Währenddessenfertigte sie im Rahmen von Projekten Übersetzungen für HALMA, Poetikon und für das Universitätskulturzentrum UNIKUM Klagenfurt an. Seit 2013 nimmt sie am EU-Projekt TransStar Europa teil und übersetzt aus dem Slowenischen ins Deutsche. In ihrer Freizeit ist sie Schauspielerin, Filmemacherin, Sängerin und Bastlerin.

Tanja Žigon (*1974)

studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Ljubljana. Von 1998 bis 2004 war sie freiberuflich als Publizistin tätig. Seit 2004 arbeitet sie an der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana; sie ist Dozentin für Translationswissenschaft. Seit 2013 leitet sie das Forschungsprogramm Interkulturelle literaturwissenschaftliche Studien, das von der slowenischen Forschungsagentur gefördert wird, und sie ist Konsortiumsmitglied des EU-Projektes TransStar Europa wie auch Koordinatorin des Projektes für Slowenien.

 

Impressum

Projektträger: Slavisches Seminar der Eberhard Karls Universität Tübingen. Kooperationspartner: Literaturhaus Stuttgart, Villa Decius Krakau, Universität Ljubljana, Karls-Universität Prag, Literaturwerkstatt Berlin sowie die Partner des EU-Projekts TransStar Europa.

Ausführliche Informationen zu den sechs Stationen des Übersetzungswürfels und zum EU-Projekt TransStar Europa finden Sie unter:

www.transtar-europa.com oder

http://www.slavistik.uni-tuebingen.de/transstar.html

 

Gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, der Robert Bosch Stiftung und dem Programm für Lebenslanges Lernen der Europäischen Union.

 

 

 

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Gelesenes: TransSlam?! Szenische Lesung deutsch-tschechischer und tschechisch-deutscher Übersetzungen mit musikalischen Intermezzos

16. 6. 2015

Einmal musste der Abend ja kommen. An dem man sich bei TransStar verabschiedet. Und die tschechisch-deutsche und deutsch-tschechische Gruppe übernahmen die Rolle der Gastgeber unseres letzten Abends in dieser Konstellation. Drei spannende, unterhaltungsvolle, anstrengende und wunderschöne Tage standen schon hinter uns, weswegen es auf jeden Fall eine große Herausforderung war, das Publikum noch am Zuhören zu behalten. Doch unsere Gastgeber zeigten sich im besten Licht und stellten uns in kurzen Ausschnitten ihre bisherigen Übersetzungen, die im Rahmen des Projektes entstanden sind, vor. Der Veranstaltungsort, der Studentenklub Celetná, der uns in seinem dunklen Keller schon den zweiten Abend in der Reihe beherbergte, bot dazu die perfekte Gelegenheit. Jakub Dvořáček, ein ausgezeichneter Pianist, hat den Übersetzern geholfen, die Veranstaltung mit musikalischen Einsätzen zu verbinden und trug auf jeden Fall dazu bei, dass man dem Geschehen auf der Bühne gespannt folgte. Vielen Dank noch einmal an die beiden Gruppen für den angenehmen Abend, der dem einen oder anderen auf jeden Fall Ideen für (hoffentlich noch viele) weitere Veranstaltungen mit auf den Weg gegeben hat.

Hier findesn Sie einige Fotos.

von Irena Smodiš

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Wie frei ist der Freiberufler wirklich? Der soziale Status der literarischen ÜbersetzerInnen – Vortrag von Andy Jelčić

14. 6. 2015

Übersetzen ist schön und gut. Aber wie überlebe ich als Übersetzer? Andy Jelčić hat uns die nackten Fakten auf den Tisch gelegt, ohne uns die Lust an der Tätigkeit zu vertun. Darauf haben wir gewartet.

Die Verlage sind nicht unsere Feinde, soviel ist klar. Dennoch sollten wir ihnen vorbereitet gegenübertreten. Andy Jelčić hat uns den „idealen“ Vertrag mit all seinen Komponenten erklärt. Dabei hat er uns aufgefordert, uns als junge Übersetzer für gute Vertragsbedingungen einzusetzen und veranschaulicht, wie dies in einigen Ländern bereits zu guten Standards geführt hat.

Nehmen wir an, mit dem Vertrag hat alles geklappt. Doch welchen Status haben und was brauchen wir? Andy hat uns über Betriebskosten, Vorsorge für Krankheit, Alter und Arbeitsausfall, Besteuerungssätze und andere technische Details informiert. Auch wenn diese Faktoren individuell und je nach Herkunftsland unterschiedlich gestaltet werden, sollten wir in jedem Fall vorausschauend wirtschaften, um auf die Unwägbarkeiten des Freiberuflerdaseins vorbereitet zu sein. Dazu gehört als literarischer Übersetzer auch und vor allem, dass man die Fähigkeit entwickelt, ein gewisses Tagespensum für sich festlegen und auch erfüllen zu können.

Insgesamt haben wir viel über die schönen und weniger schönen Seiten des Übersetzerdaseins erfahren. Weniger schön sind die ständige Unsicherheit und die Probleme, die damit einhergehen. Schön ist, dass das Übersetzen an sich nicht nur eine wunderbare Tätigkeit ist und das freie Arbeiten freien Köpfen entspricht, sondern auch, dass es auch Unterstützung gibt: Stipendien, Übersetzerhäuser, etc. Und wir sollten uns dafür einsetzen, dass das auch so bleibt oder sogar besser wird.

Hier finden Sie einige Fotos.

von Constanze Aka und Nina Hawrylow

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Gescheitertes: Dinge, die es hier nicht gibt … oder doch?

14. 6. 2015

Von Vorträgen, Zuhörern und dem Stalin-Denkmal – Dinge, die es hier nicht gibt

Wenn man in Prag ist, sich mit Übersetzung beschäftigt und an einer Veranstaltung zum Thema „Dinge, die es hier nicht gibt“ teilnehmen soll, geht man am besten vorher spazieren, zu einem Ort, dem Letná Park, an dem es auch etwas nicht gibt: das Stalin-Denkmal. Mit 15,5 Metern ohne Sockel das höchste Stalin-Denkmal der Welt, 1955 eingeweiht, 1962 gesprengt, hinterließ es einen leeren Sockel. Seit 1991 steht dort ein Metronom, 23 Meter hoch.

Wenn man dann zum Veranstaltungsort zurücktrottet – die Hitze ist schließlich unerträglich geworden und außerdem zeigt die Uhr an, dass man sowieso fünf Minuten zu spät kommen wird –, sich die Treppen in den dritten oder vierten, oder der wievielte es auch ist, Stock hocharbeitet und den richtigen Raum findet, stellt man fest, dass es auch dort etwas nicht gibt: Zuhörer. Anwesend sind die verantwortlichen Übersetzergruppen der Sprachkombinationen Deutsch-Polnisch und Polnisch-Deutsch und diskutieren ganz privat darüber, dass der Slogan „Ehrmann – keiner macht mich mehr an“ unübersetzbar sei, und Vulgarismen nur schwer, weil die Deutschen in dieser Hinsicht in der analen Phase hängengeblieben sind und die Polen es bis zur genitalen Phase gebracht haben. Und sie diskutieren so intensiv, dass ein vorbereiteter und ein nicht vorbereiteter Vortrag gar nicht mehr stattfinden können, sie gibt es also nicht.

Ziemlich viele Dinge-die-es-hier-nicht-gibt für einen Nachmittag, nicht wahr? Aber das machte nichts, den nächsten Vortrag gab es dann. Ganz bestimmt.

 

Hier finden Sie einige Fotos.

von Marlena Breuer

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Akustische Dimension der Poesie: Unübersetzbar?

14. 6. 2015

Die Übersetzbarkeit der akustischen Dimension von Poesie – ein halbstündiger Versuch

Im Workshop zur Übersetzbarkeit der akustischen Dimensionen von Poesie wurde als Übung das Gedicht franz war von Konrad Bayer ausgewählt, ein extremes Beispiel.

franz war.

war franz?

Franz.

war.

wahr.

war wahr.

wirr.

wir.

franz wir!

wir franz.

ihr.

franz war wirr.

war franz irr?

wirr warr.

Welche Kriterien können aufgestellt werden, um dieses Gedicht zu übersetzen?

1) das Gedicht besteht aus sieben Wörtern

2) alle Wörter sind einsilbig

3) innerhalb dieser Siebenheit gibt es zwei Vokale: i und a, hell und dunkel

4) man beachte die Wortarten

5) und was zum Teufel soll eigentlich der Name Franz?

6) es gibt sicher noch mehr…

Aufgabe für die Nichtdeutschen: übersetzt das Gedicht in die Muttersprache. Aufgabe für die Deutschen: schreibt es um. Drei Deutsche gibt es (die Schweizerin übersetzt das Gedicht selbstverständlich in ihre Sprache), die sich, obwohl sie es nicht sollen, zusammentun, denn zu dritt, denken sie, denkt es sich besser, vielleicht behindert man sich aber auch nur. Es entsteht ein Gedicht:

ernst war jung

war ernst jung?

war der jung

jung?

c.g. jünger

jungs jünger?

jung jünger als jünger?

jüng und junger?

jung macht ernst

Nein, nein, ernst gemeint war es nicht. Nur fast.

von Marlena Breuer

Hier finden Sie einige Fotos.

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Abendprogramm „Kafka auf Kur“ und „Wunder Bar Band“

14. 6. 2015

Nach dem eher förmlichen Ambiente der Botschaft ging es am Abend  in einer ungezwungeneren Atmosphäre weiter. Unser Tross aus Übersetzern aus halb Europa zog eine oder zwei Straßen weiter, um in der Baráčnická rychta zunächst Kafka, dann ein zünftiges Abendessen und schließlich noch Herrmann Hesse in ungewohnter Gestalt zu genießen.

Aber der Reihe nach: In der ‚Baráčnická rychta‘, einem schummrigen Kellerlokal, sahen wir auf leeren Magen ein von der Karlstruppe, einem deutschsprachigen studentischen Theater, inszeniertes Spektakel, das Kafkas literarische und autobiografische Schriften ins Szenische übersetzt. Dass Kafka hier auch auf leeren Magen erträglich ist, ist der Inszenierung zu verdanken, die hier und da auf wuchtige Übertreibungen setzt und damit eine gehörige Komik entwickelt. Und richtig so – berichtete nicht Max Brod einmal, Kafka habe bei einer Lesung aus dem Prozess immer wieder schallend aufgelacht?

Mit gefülltem Magen ging es in den zweiten Teil des Abends. Kafka räumte die Bühne und überließ sie Hesse, dessen Steppenwolf vom Prager Septett Wunder Bar Band zu Musik verarbeitet wurde. Mit dieser Begegnung zweier Künste – der ja eigentlich auch ein Prozess des  Übersetzens zugrunde liegt – endete der zweite Teil des Abends.  In jeder Hinsicht gesättigt machten wir uns auf den Weg in unsere Quartiere und schlummerten wahrscheinlich alle bald ein. Schließlich schläft es sich mit vollem Magen am besten.

Hier finden Sie einige Fotos.

von Jakob Walosczyk

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Übersetzertage in Kiew

13. 6. 2015
Im Rahmen des Projektes TransStars Europa fand im Juni 2015 sowohl die Präsentation des Buches von Maria Ivanytska als auch eine Veranstaltung mit Julija Mykytyk und Valentyna Bilokrynytska statt. Der Titel der Veranstaltunng war: Odyssee des Übersetzers zwischen Form und Inhalt. Die TransStar-Teilnehmerinnen sprachen mit erfahrenen Übersetzern über die Herausforderungen der Lyrik-Übersetzung. Ferner wurde auch die Camera-Obscura-Ausstellung eröffnet.
Das Programm finden Sie hier und einige Fotos hier.
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Veranstaltung “Das Erbe des Antifaschismus auf dem Bakan”

5. 6. 2015

Am 9. Mai 2015, siebzig Jahre nach der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus, versammeln sich Menschen, denen Vergangenheit, aber auch Zukunft nicht egal sind. In besonderer Umgebung des Tübinger Stadtmuseums, in einem nach Holz duftenden Raum, werden mit Elan Übersetzungen gelesen, die von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des TransStar-Programms zum Thema „Das Erbe des Antifaschismus auf dem Bakan“ angefertigt wurden. Sowohl literarisch als auch wissenschaftlich geprägte Texte von Autoren aus Serbien, Kroatien und Montenegro sind eine Auswahl aus der jährlich erscheinenden Zeitschrift BETON INTERNATIONAL. Gefühlsbeladen und von Zuhörern mit Beifall empfangen, trägt die Veranstaltung zum Verständnis der komplizierten Verhältnisse auf dem Balkan bei, regt zu Fragestellungen an und ruft lebendige Diskussion hervor. Nicht nur historische Problematik ist hier von Belang. Auch der Alltag des Übersetzers – seine Qual der Wahl – meldet sich unvermeidlich zu Wort und zwar bei der Frage, inwieweit man in Originaltexte eingreifen darf, falls sie mangelhaft sind, stilistischer oder sachlicher Verbesserung bedürfen.

Folgende Texte wurden übersetzt:

  • Sreten: „An einem gewöhnlichen Nachmittag”, aus dem Serbischen von Anna Hodel
  • Zvonko Maković: “Denkmalplastik auf dem Gebiet Jugoslawiens. (1945-1991): Paradigma einer Zeit”, aus dem Kroatischen von Vivian Kellenberger
  • Zlatko Paković: “Antifaschismus und Begründung von Moral”, aus dem Serbischen von Paul Gruber
  • Edi Matić: “Auf den 26.10.1944, den Tag der Befreiung der Stadt Split – 70 Jahre danach”, aus dem Kroatischen von Evelyn Sturl
  • Jurica Pavičić: „Der Kummer von Europa oder Wie der Faschismus (wieder) selbstverständlich wurde“, aus dem Kroatischen Maja Konstantinović

von Karolina Matuszewska

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