Daniela Kocmut

26. 10. 2015

werkstattleiter_daniela_kocmutDaniela Kocmut wurde 1980 in Maribor geboren, ist im kärntnerischen Hermagor (Šmohor) aufgewachsen und studierte Translationswissenschaften in Graz und Dublin. Nun lebt sie als Übersetzerin und Dolmetscherin in Graz, unterrichtet Slowenisch und ist bei der österreichischen Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik – Lichtungen – tätig. Als Übersetzerin widmet sie sich vor allem der slowenischen Literatur (u.a. übersetzte sie Werke von Drago Jančar, Maruša Krese, Katarina Marinčič, Veno Taufer, Marjan Tomšič und Zofka Kveder). Sie schreibt auch selber und zwar Lyrik in deutscher und slowenischer Sprache. Wie man sieht, ist sie eine vielbeschäftigte Frau, da sie aber im Rahmen des TransStar-Projekts auch Werkstattleiterin der slowenisch-deutschen Gruppe ist, nutzte ich die Gelegenheit, um mit ihr über einige Aspekte des Übersetzerseins zu plaudern.

Zuerst kommt natürlich die offensichtlichste Frage: wie wird man zur Übersetzerin? Fühlt man diesen Wunsch schon früh? Wie war das bei dir?

Den Weg des literarischen Übersetzens betrat ich zwar eher zufällig, habe aber meine ersten Versuche schon im Gymnasium unternommen, allerdings nur für mich,  wenngleich ich auch mal was für Freunde übersetzt habe, weil ich wollte, dass sie einen bestimmten Text auf Deutsch lesen. In dieser Zeit habe ich auch zum ersten Mal slowenische Literatur in Übersetzung gelesen, wobei mich am meisten Drago Jančars “Der Galeot” (in der Neuauflage von 2015 “Der Galeerensträfling“, Anm.) beeindruckt und mir in Erinnerung geblieben ist, damals habe ich mir sogar den Übersetzer gemerkt, weil ich den Namen so ungewöhnlich fand: Klaus Detlef Olof. Eher zufällig deswegen, weil ich an der Uni eine Lehrveranstaltung besucht habe, die es heute leider in Graz nicht mehr gibt: Literarisches Übersetzen für Slowenisch-Deutsch, die Lehrveranstaltung war zwar für höhere Semester gedacht, aber ich wollte es unbedingt ausprobieren, und Lehrveranstaltungsleiter war kein geringerer als: Klaus Detlef Olof. Und bald darauf kam das prägende Sommerkolleg Premuda, das von Prof. Erich Prunč organisiert wird, und das mich nunmehr seit 11 Jahren auch privat geprägt hat und mich begleitet.

Deutsch und Slowenisch waren schon immer ein wichtiger Teil deines Lebens. Du unterrichtest sogar Slowenisch in Graz. Gibt es viel Interesse für diese Sprache?

Zum Glück – und das begründet sich auch aus der Nähe der beiden Nachbarländer – gibt es in Graz reges Interesse an Slowenisch – vor allem bei Sprachkursen, die man auch berufsbegleitend besuchen kann. Was das Slowenisch-Studium an der Slawistik betrifft, sind die Zahlen in den letzten paar Jahren allerdings stark zurückgegangen, was ein wenig alarmierend ist. Ich hoffe, das wird sich wieder ändern, da die Slawistik bzw. Slowenistik in Graz lange Tradition hat (über 200 Jahre) und auch für viele slowenische Studierende – so wie das Studium der Translationswissenschaft – eine wichtige Ausbildungsinstitution ist.

Du schreibst auch selber und hast 2013 einen Gedichtband veröffentlicht. Meinst du, dass es wichtig, gar ein Vorteil ist, wenn man als literarische Übersetzerin/literarischer Übersetzer auch selber schreibt?

Einerseits glaube ich, dass das Übersetzen einen auf jeden Fall vielfach befruchtet und auch sehr inspirierend sein kann – Übersetzer und Übersetzerinnen sind die genauesten Leser – und da wir viel lesen dürfen/müssen/sollen/wollen, möchten wir uns manchmal auch selbst am Schreiben versuchen – viele tun dies sehr erfolgreich und professionell, andere nehmen wir das eher als kleines Experiment, einen Exkurs sozusagen und eher als ein Sprachspiel – wofür sich Lyrik ja sehr gut eignet. Andererseits gibt es etablierte AutorInnen, die – wenn es die Zeit erlaubt oder die Geldtasche erfordert – auch gerne, gut und viel übersetzen. Und diese AutorInnen bekommen dann auch ein entsprechendes Honorar bzw. die für uns alle wünschenswerte Normseiten-Entlohnung. Aber Fakt ist, dass man – ohne ein gewisses Sprachgefühl und tiefes persönliches Interesse Lyrik nur schwer übersetzen/übertragen/nachdichten kann.

Du bist zweisprachig aufgewachsen. In welcher Sprache fühlst du dich zu Hause? Sind sich die zwei Sprachen in poetischer Hinsicht ähnlich oder ganz verschieden?

Ich fühle mich in beiden Sprachen zu Hause, sie sind jedoch emotional verschieden austariert, könnte man sagen. Oder verschieden geschichtet. Auf jeden Fall sind beide Sprachen mein Alltag und ich freue mich darüber, dass ich beide sprachen alltäglich sprechen und „leben“ kann.

Auf deiner Liste gibt es schon einige Übersetzungsprojekte. Ist dir vielleicht eines in ganz besonderer Erinnerung geblieben?

Alle literarischen Übersetzungsprojekte liegen einem irgendwie am Herzen (die fachlichen Übersetzungen entziehen sich eher dem Gedächtnis) und prägen den weiteren Entwicklungsweg, auch wenn ich in manche früheren lieber nicht hineinschaue. Die erste literarische Publikation ist sicherlich sehr prägend, sowie die erste Auszeichnung, aber die meiste Freude bereitet mir eigentlich der Prozess selbst, die Arbeit mit und um den Text, die Ruhe dabei und wenn danach auch noch ein Sturm an Interesse käme oder kommt, wird den Übersetzungen dann noch mehr Leben eingehaucht. Sie sollen ja schließlich gelesen werden!

Bei Transstar bist du Mentorin und Leiterin der Gruppe Slowenisch->Deutsch, außerdem bist du Lektorin im Rahmen des Sommerkollegs für literarisches Übersetzen auf Premuda. Wie fühlt es sich an, mit jungen, mehr oder weniger unerfahrenen ÜbersetzerInnen zu arbeiten?

Jegliche Arbeit mit anderen Menschen kann bereichernd sein, aber mit jungen Menschen besonders, da eine meiner Maximen lautet, dass man von JEDEM Menschen etwas lernen kann. Erst durch die Diskussion und das Gespräch werden die Übersetzungen aus anderen Blickwinkeln betrachtet und weitgehend analysiert und davon profitieren alle Beteiligten, auch die, die diesen Weg zur Finalisierung einer Übersetzung begleiten. Es ist ein Privileg und eine Freude, an diesem Prozess beteiligt sein zu dürfen und tolle Menschen dabei kennenzulernen, von denen viele Freunde geworden sind. Ebenso wie beim bereichernden Projekt TransStar Europa!

Angenommen du könntest dir ein beliebiges, schon übersetztes oder unübersetztes Werk aussuchen und es übersetzen. Welches würde das sein und wieso?

Ich möchte schon seit vielen Jahren ein Kinderbuch übersetzen, das in meiner Kindheit eines meiner Lieblingsbücher war, nämlich Težave in sporočila psička Pafija (deutsch könnte der Titel in etwa lauten: Die Probleme und Berichte des Hundes Pafi). Die wunderbar humorvolle Geschichte eines verwöhnten Stadthundes, der unfreiwilligerweise auf einem Bauernhof landet und allerhand Unerhörtes und Unvorstellbares erlebt. Ich glaube, das Projekt werde ich auch irgendwann einmal konkret angehen, auch wenn sich nicht gleich ein Verlag dafür findet.

Möchtest du uns zum Schluss vielleicht noch ein par Tipps und Tricks verraten?

Tipps und Tricks bezüglich des Übersetzens, nehme ich an? J Ich habe schon einmal mit einer grundsätzlichen Liste begonnen und werde auf jeden Fall weiter daran arbeiten, aber wirkliche Tricks kann ich ad hoc keine aufwarten. Eine Freundin, die Übersetzerin Urška P. Černe, hat einmal gemeint, ein guter literarischer Übersetzer müsse mindestens ein Buch pro Woche lesen – vielleicht wird sich das zwar nicht jede Woche ausgehen – vor allem, wenn man wie ich gerade ein kleines Baby zu Hause hat J, aber das ist eine sehr wichtige Voraussetzung; viel und gerne zu lesen und stets die Augen und Ohren für Sprache und Text offen zu halten, wo auch immer man ist, sei es auch nur mit dem Blick in die Speisekarte – was oftmals äußerst amüsant sein kann. Und wie bei allen Dingen ist es auch beim Übersetzen so, dass man Kilometer sammelt – man entwickelt sich ja auch als privater und professioneller Mensch (hoffentlich :-) weiter und da spielt natürlich auch eine gewisse Erfahrung mit, die ich in Zukunft hoffentlich auch noch reichlich sammeln werde können.

Graz, Dezember 2015

Ein Gespräch zwischen Daniela Kocmut und Anja Wutej

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