Das Fremde

29. 5. 2013

Zugegeben – ich beschäftige mich erst seit kurzem mit literarischer Übersetzung. Und trotzdem ist mir schon oft die Diskussion über den Umgang mit dem ”Fremden” im Text untergekommen. Das Fremde im Originaltext solle für Leserinnen und Leser der Übersetzung verständlich gemacht werden. Verständlich soll es werden, zumindest nachvollziehbar, aber nicht zu gewöhnlich, immer noch fremd anmutend.

Wie vor mir Claudia Dathe und Amalija Maček stelle ich mir Fragen. Ich frage mich, ob nicht jeder Text etwas Fremdes in sich hat? Ist den deutschsprachigen Leserinnen und Lesern Marlene Haushofers Die Wand wirklich vertrauter als den slowenischen?

Ein zweiter Aspekt interessiert mich im Zusammenhang mit dem Fremden. Was ist, wenn ein Text im Original ein Thema behandelt, das dem Lesepublikum des Originaltextes fremd ist, jenem der Übersetzung aber bekannt wäre? Ich denke da etwa an den Comic von Igort Quaderni ucraini, an den Roman What is told von Askold Melnyczuk oder an selbst verfasste Texte, die viel mit der Ukraine zu tun haben. Was würde da mit dem Fremden in der Übersetzung passieren? Finden es Leserinnen und Leser in solchen Fällen befremdlich, wenn andere über das „Eigene“ schreiben?

von Nina Hawrylow

One Response to Das Fremde

  1. Valentyna Bilokrynytska
    27. 6. 2013 at 7:55 am

    Ich glaube, das Vertrautsein ist oft weniger von der Herkunft des Autors, sondern mehr von der Mentalität des annehmenden Volkes anhängig. Z. B., mir ist unklar, warum Remarque in Deutschland unterschätzt wird. Die Verfemung Remarques als Nestbeschmutzer spielt wohl seit den 60er Jahren keine Rolle, mehrere deutschsprachige Leser haben mir jedoch gesagt, sie finden seine Bücher nur als Zeitdokumente interessant. Mittlerweile wird Remarque bei uns zu den Großen der Weltliteratur gezählt.

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