Notizen aus der Werkstatt: Die Entdeckung der Rorýsy

21. 1. 2014

Martina Lisa: Die Entdeckung der Rorýsy

Alles begann mit einem kurzen Gedicht des jungen tschechischen Dichters Ondřej Buddeus. intervall3.rtf., 2012 in seinem Gedichtband Rorýsy erschienen, von uns, beinahe beiläufig, 2013 bei unserem Treffen in Tübingen ins Deutsche übertragen. Ich ahnte damals noch nicht, dass mich die intervall-Gedichte noch lange begleiten werden.

An meinem Schreibtisch sitzend fragte ich mich nach dem ersten Lesen nun, was denn das tschechische Rorýsy bedeutete… ein Tier wohl, mehr aber wusste ich nicht. Eigentlich hätte es mir aus dem Aufbau, der Rhythmik und dem semantischen Spiel klar sein müssen.

Die zweispaltig verfassten Gedichte wirken zunächst wenig überraschend, doch die Spalten sind durch Zeilensprünge auf beinahe flatterhafte Weise miteinander verbunden: Mal fliegt ein Wörtchen hin, mal kommt es wieder zurück, in seinem eigenen Rhythmus. Die Sätze sind kurz und prägnant, sonst wären sie zu schwer für den sanften Flug der Bedeutungen. So leicht und flatternd muss auch die Übersetzung sein, damit die einzelnen Wörtchen einfach abheben können.

Es hätte mir bereits beim ersten Lesen klar werden müssen – Rorýsy sind Mauersegler. Seitdem beobachte ich des Öfteren, wie Mauer-segler vor meinen Zimmerfenstern hin und her gleiten. Manchmal horche ich auf, höre ihren Bewegungen zu und sehe dann vor mir die Zeilen aus Buddeus’ Gedichten flattern.

Eine kurze Begegnung, aus der sich ein intensives Verhältnis entwickelte.

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