Fabjan Hafner

9. 7. 2013

07_Fabjan HafnerFabjan Hafner
Foto © Vincenc Gotthardt

Fabjan Hafner, wohnhaft in Südkärnten (Feistritz im Rosental / Bistrica v Rožu), ist Autor in beiden Kärntner Landessprachen, Literaturübersetzer aus dem Slowenischen und seit 1998 Mitarbeiter des Robert Musil-Instituts für Literaturforschung der Universität Klagenfurt. Schon während des Studium der Slawistik und Deutschen Philologie arbeitete er am Forschungsprojekt Inventarisierung der slowenischen Volkssprache in Kärnten und dem Thesaurus der slowenischen Volkssprache in Kärnten am Institut für Slawistik der Karl-Franzens-Universität Graz mit. Dort war er auch von 1990 bis 2007 als Lehrbeauftragter am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft tätig. Zudem war er von 1992 bis 1997 Deutschlektor an der Universität Ljubljana. 2008 erschien seine Monographie Peter Handke. Unterwegs ins Neunte Land (Zsolnay Verlag, Wien). Seine Übersetzungen wurden mehrfach ausgezeichnet unter anderem mit dem  Petrarca-Übersetzerpreis 1990, dem Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung 2006 und dem Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie 2007.  

Sie leben in Feistritz im Rosental / Bistrica v Rožu in Südkärnten, dessen zweisprachiger Ortsname bereits auf die Präsenz einer sprachlichen Minderheit innerhalb Kärntens, nämlich den Kärntner Slowenen hindeutet …

Mit der Zweisprachigkeit in Feistritz / Bistrica war es nie besonders weit her. Zwar stammt aus dem Nachbarort und Pfarrsitz Suetschach / Sveče der ‚Vater der Kärntner Slowenen’ Andrej Einspieler (1813 – 1888), aus Feistritz selbst hingegen der führende Windischen-Theoretiker Viktor Miltschinsky 1887 – 1974). Er war 1919 Gründungsmitglied der Nationaldemokratischen Partei, 1949 Obmann der Wiener Organisation des ‚Verbandes der Unabhängigen’, der Vorgängerorganisation der FPÖ.
Oder anders pointiert: Mein bester Freund aus Volksschulzeiten wohnte an der Adresse Bärental Nr. 7, wie der Petzi-Bär im Fernsehbetthupferl; diese Haider’sche Pfründe sehe ich jeden Morgen vom Frühstückstisch aus …
Doch inzwischen nehmen 80% der Vorschulkinder und 50% der Volksschulkinder das Angebot der Zweisprachigkeit an. Die sprachlichen Resultate sind indes mehr als bescheiden.

Sie sind Autor in beiden Kärntner Landessprachen und haben zahlreiche Texte slowenischer Autorinnen und Autoren, darunter Dane Zajc, Maruša Krese und Florjan Lipuš, ins Deutsche übersetzt. Nun ist das Verhältnis zwischen deutschsprachigen und slowenischsprachigen Kärntnern nicht immer harmonisch gewesen, man denke nur an den Ortstafelstreit. Was bedeutet es in diesem Zusammenhang für Sie als Kärntner slowenischer Abstammung, slowenische Literatur ins Deutsche zu übersetzen? Ist Übersetzten dabei auch Kulturvermittlung, in gewisser Weise sogar Diplomatie?

Übersetzen ist natürlich Kulturvermittlung. Doch die Vermittlung von Kultur ist, wie die Erfahrung leider lehrt, auf dem glatten Parkett der Diplomatie ein wenig geschätztes und daher ziemlich untaugliches Hilfsmittel. Etwas fatalistisch darf ich, nicht zum erstem Mal, Douglas Adams’ The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy zitieren: „Meanwhile, the poor Babel fish, by effectively removing all barriers to communication between different races and cultures, has caused more and bloodier wars than anything else in the history of creation.“

Sie haben unter anderem sehr viel slowenische Lyrik ins Deutsche übersetzt. Was waren dabei die größten Herausforderungen? Haben Ihnen die Erfahrungen, die Sie selber mit dem Schreiben von Lyrik gemachten haben, geholfen?

Jeder Lyrikübersetzer ist ein – zumindest verhinderter – Dichter. Niemand sonst würde sich auf das Übertragen von Versen einlassen. Das wäre also kein Alleinstellungsmerkmal. Für jede Autorin, jeden Autor will ein eigener Ton gefunden oder erfunden werden, sonst klingen alle gleich, nämlich wie der Übersetzer: Das darf nicht passieren. Beim Verfassen eigener Verse hat mir die beim Übersetzen erworbene Dicht-Routine sicher geholfen.

Warum soll man überhaupt slowenische Literatur lesen? Noch immer verwechseln viele Slowenien mit der Slowakei oder wissen nicht genau, wo dieses Land liegt, obwohl es sich mitten in Europa und in der EU befindet. Was hat die slowenische Literatur spezielles zu bieten?

Wenn aus der Literatur Kenntnisse über Land und Leute, Geschichte und Mentalität zu gewinnen sind, ist das eine schöne Draufgabe. Sehr verlässlich und realitätsgetreu sind literarische Quellen in der Regel allerdings nicht.
Es gibt gute, kluge und schöne Werke der slowenischen Literatur, und die sollte man lesen. Die Zugereisten von Lojze Kovačič etwa, die Prosa von Drago Jančar, die Lyrik von Dane Zajc, Tomaž Šalamun und Uroš Zupan, den Triestiner
Slowenen Boris Pahor und die Kärntner Florjan Lipuš und Gustav Januš, für die Peter Handke früh und mit nachhaltigen Folgen eine Lanze gebrochen hat.

Was ist das Besondere daran, aus einer ‚kleinen’ Sprache zu übersetzten (z. B. hinsichtlich Textauswahl, Literaturszene, Verlage, Finanzierung, Lesepublikum)?

Da man weder reich noch berühmt werden kann, ist die Freiheit grenzenlos. So regiert das schiere  Vergnügen. Wer nicht dienen will, sondern verdienen, sollte lieber die Finger vom Literatur-übersetzen lassen.

Könnten sie das etwas ausführen? Welcher Sache ‚dient’ man als Übersetzer?

Übersetzen ist Dienst am Text. Wer übersetzt, dient nicht der Urheberin / dem Urheber oder einem Verlag, sondern vermittelt zwischen Text und Publikum. Dieser Sache ‚dient’ die Übersetzung – alles andere sind in der Regel nichts weiter als Eitelkeiten, und die sollten außerhalb der Buchdeckel – wie die Deutschen sagen: ‚außen vor’ – bleiben.

von Franziska Mazi

One Response to Fabjan Hafner

  1. Janko Trupej
    14. 7. 2013 at 2:44 pm

    Interessantes Interview.

    Die Liste der slowenischen Autoren, die lesenswert sind, ist noch viel länger. :)

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