Ich erkenne Humor, wenn er vorbeifährt

Ustí nad Labem, 25. September 2014
17. 10. 2014

Halbgeleerte Bierflaschen stehen auf dem Tisch, der Aschenbecher füllt sich langsam. Vier junge Übersetzer sitzen im neunten Stock eines Hotels in der Sitzgruppe neben den Fahrstühlen und unterhalten sich. Hinter ihnen liegt ein anstrengender Tag. Diesmal hat sich die Projektgruppe Polnisch-Deutsch in Ústì nad Labem getroffen, um gemeinsam zu arbeiten. Das Treffen hat gut begonnen, nach einer Einführung in die örtliche Kulturarbeit haben sich die teilnehmenden Sprach-Gruppen getrennt und die Arbeit an ihren Texten aufgenommen. Doch jetzt ist es spät, Arbeit ist nicht mehr wichtig, nur noch die Gespräche. Sie drehen sich um Literatur, ums Übersetzen, um den stilistischen Unterschied zwischen Texten, die mündlich vorgetragen und solchen, die still gelesen werden. Ab und zu fährt jemand im Fahrstuhl vorbei, im schmalen Fenster taucht zuerst der Kopf auf, verschwindet, die Beine hinterher. Er könne keinen Humor verstehen, wenn er ihn lese, sagt Lukas. Nur wenn er vorgelesen werde. Schweigen. Er wiederholt: Ich erkenne keinen Humor in Texten.

In diesem Augenblick fährt ein Fahrstuhl mit lachenden Frauen vorbei nach oben und Lukas sagt: Ich erkenne Humor, wenn er vorbeifährt! Dann denkt er weiter. Es komme wohl darauf an, wie der Text gelesen wird.

In der Werkstatt lernt man allerhand. Doch es sind Momente wie der eben beschriebene, die den Übersetzer-Austausch im Projekt TransStar besonders machen.

 von Katharina Kowarczyk und Marlena Breuer

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