Janez Gradišnik

1. 1. 2014

01_Janez_GradisnikJanez Gradišnik (22. September 1917, Stražišče pri Prevaljah – 5. März 2009, Ljubljana) gilt als einer der größten slowenischen Übersetzer. Er studierte Pädagogik an der Universität Ljubljana und wurde nach dem Diplom 1940 in die Armee einberufen. Bei der deutschen Invasion in Jugoslawien im darauffolgenden Jahr wurde er von der Wehrmacht gefangengenommen und nach Deutschland in ein Gefangenenlager geschickt. Nach der Freilassung im Jahr 1942 verbrachte er den Rest der Kriegszeit in Kroatien. Nach dem Kriegsende arbeitete er kurze Zeit in Belgrad beim Ministerium für Slowenien, kehrte aber im Jahr 1946 nach Slowenien zurück, nahm die Stelle eines Redakteurs bei dem Verlag Državna založba Slovenije an und begann seine ersten literarischen Übersetzungen zu veröffentlichen. Wegen seiner Verbindungen mit dem politischen Dissidenten Edvard Kocbek wurde Gradišnik von der Geheimpolizei UDBa überwacht und verlor letztlich im Jahr 1952 auch seine Arbeitsstelle bei dem Verlag. Er wurde freiberuflicher Übersetzer und übersetzte vor allem literarische Texte aus den folgenden Sprachen:

-  Englisch (E. Hemingway, M. Twain, J. Joyce, R. Kipling, S. Lewis, A. Huxley, G. Eliot, J. London, u.a.);
- Deutsch (T. Mann, H. Hesse, H. Böll, R. Musil, F. Kafka, u.a.);
- Französisch (J. Verne, A. Malraux, A. Camus, u.a.);
- Serbisch (D. Ćosić, A. Isaković, u.a.);
- Russisch (M. Bulgakov).

Darüber hinaus widmete sich Gradišnik auch der Übersetzungskritik, verfasste einige Fachbücher über die slowenische Sprache, versuchte sich als Schriftsteller und war Chefredakteur eines Kulturmagazins. Vor allem für seine Tätigkeit als Übersetzer wurde er vielfach ausgezeichnet (Jug-Kranjec 1987: 58–60; Pibernik 2009: 109–113). Unter anderem wurde ihm für sein Lebenswerk als bislang einzigem hauptberuflichem Übersetzer der Prešeren-Preis (Prešernova nagrada) verliehen. In der Begründung für diese bedeutendste slowenische Auszeichnung auf dem Gebiet der Kultur steht unter anderem folgendes: „Im Mittelpunkt seines Schaffens steht erstklassiges literarisches Übersetzen und er hat auf seinem ganzen schöpferischen Weg immer wieder die Verwachsung des Originaltextes mit der Zielspezifik des slowenischen Umfelds erreicht“ (Smasek 2007).

 von Janko Trupej

Literatur

Jug-Kranjec, Hermina, 1987: Janez Gradišnik – sedemdesetletnik. Jezik in slovstvo 33 (3). 58–60.
Pibernik, France, 2009: Janez Gradišnik 1917–2009. Celje: Celjska Mohorjeva družba.
Smasek, Uroš, 2007: Prešernova lavreata Janez Gradišnik in Miljenko Licul. Večer, 4. Dezember 2007.

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