Katja PERAT: Fick dich, Ginsberg, Gedicht (Aus dem Slowenischen von Daniela Trieb)

Erstveröffentlichung in: LICHTUNGEN 135/2013 (Graz), 15. Oktober 2013
31. 10. 2013

Katja PERAT: Fick dich, Ginsberg

Einleitung

Jung, kritisch, ironisch, zynisch. Katja Perat zeigt, wo es lang geht. Sie nimmt sich kein Blatt vor den Mund und dichtet, was das Zeug hält. Da bleibt kein Auge trocken und einem zugleich das Lachen im Hals stecken. Wenn man einmal begonnen hat, Katja Perat zu lesen, lässt sie einen nicht mehr los. Ihre Gedichte begeben sich in die Tiefen des menschlichen Kosmos und wandern darin federleicht umher.

Jebi se, Ginsberg

Jesen je neusmiljena,
Kadar računaš z lepoto,
Za katero si predpostavil, da ti pripada,
V minutah,
Ko nisi bil pripravljen razumeti,
Da stvari ne pripadajo.
Vsak lahko reče,
Da je videl najboljše ljudi svoje generacije
Propasti,
Ampak redkim se zgodovina prikloni za propad,
Vsak lahko reče,
Da je
Teža sveta
Ljubezen,
Ampak redkim
Da ljubezen priznanje,
Da se niso motili.
Jesen je neusmiljena za samotne Evropejce,
Naklonjene brezupu,
Ki se v dolgih plaščih naslanjajo na zidove,
Zapuščeni od bogvečesa.
Zavistni smo, veš.
Ne do noči v neogrevanih stanovanjih
In alkoholnega delirija,
Do abstraktnih stvari,
Do načina, kako nosiš svoje obleke
In si svoja lastna zgodovina.
Predpostavili smo,
Da veš,
Kaj je svoboda,
In kadar mislimo nate,
Se nam zdi,
Da kjer si, gre poletje v neskončnost.
Vsak lahko reče,
Da je čemu
(čeprav pogosteje ljudem kot državam)
Dal vse
In je zdaj nič,
Ampak države ne poslušajo,
Kaj šele ljudje.
Samo za občutek,
Da je
Vse dosegljivo
V pogledu
Na prostranost,
Da te omejuje resničnost,
Se pa vedno lahko zanašaš,
Da ti je svoboda,
Ki si ti sam,
Brezpogojno na razpolago,
Da lahko rečeš
Želim si
In se dotakneš,
Ne da bi se na pol poti
Ustavil v krču,
Samo za ta občutek,
Zlahka zamenjam svoj avto
In gotovo prenočišče vsako noč
In izobrazbo,
Za katero si prizadevam,
Stvari, ki jih imenujem varnost
In pri tem ne vem,
Če so dorasle svojemu imenu.
V tem je zavist.
Pojma nimaš,
Kako jezna sem
Na slučajnosti,
Ki me ločujejo od stvari, ki niso jaz,
In nujnosti,
Ki me z ničejansko gesto vsakič znova vrnejo v to,
Kar mi je namenjeno.
Ljudje pogrešamo vonje
In pogrešamo dotike
In pogosto pogrešamo stvari,
S katerimi se nismo nikdar srečali,
Svobodo, na primer,
Ljudje se stežka ločimo od stvari,
Ker ne vemo, kako bi bili nežni z njimi,
Ne da bi jih lastninili.
Gibanje,
Izmuzljivost,
Sprememba.
O tem ne vemo veliko.
Drži,
Da je teža sveta
Ljubezen,
Ampak, čisto po pravici,
Koga briga?

Fick dich, Ginsberg

Der Herbst ist erbarmungslos,
Wenn du mit der Schönheit rechnest,
Von der du dachtest, dass sie dir zusteht,
In den Minuten,
Als du nicht bereit warst zu verstehen,
Dass Dinge einem nicht gehören.
Jeder kann sagen,
Dass er die Besten seiner Generation
Untergehen sah,
Aber nur vor wenigen verneigt sich die Geschichte zum Untergang,
Jeder kann sagen,
Dass das
Gewicht der Welt
Die Liebe ist,
Aber nur wenigen
Gesteht die Liebe zu,
Dass sie sich nicht geirrt haben.
Der Herbst ist einsamen Europäern gegenüber erbarmungslos,
Die sich, der Hoffnungslosigkeit zugetan,
In langen Mänteln an Mauern lehnen,
Verlassen von weiß Gott was.
Wir sind neidisch, weißt du.
Nicht auf Nächte in ungeheizten Wohnungen
Und Alkoholdelirien,
Auf abstrakte Dinge,
Auf die Art, wie du deine Kleider trägst
Und deine eigene Geschichte bist.
Wir setzten voraus,
Dass du weißt,
Was Freiheit ist,
Und wenn wir an dich denken,
Scheint uns,
Dass wo du bist, der Sommer ins Unendliche geht.
Jeder kann sagen,
Dass er für etwas
(obwohl öfter für Menschen als Staaten)
Alles gegeben hat
Und jetzt nichts ist,
Aber Staaten hören nicht zu,
Geschweige denn Menschen.
Nur für das Gefühl,
Dass
In Hinblick
Auf Weiträumigkeit
Alles erreichbar ist,
Dass dich die Wirklichkeit begrenzt,
Du dich aber immer darauf verlassen kannst,
Dass dir die Freiheit,
Die du selbst bist,
Bedingungslos zur Verfügung steht,
Dass du sagen kannst
Ich wünsche mir
Und berührst,
Ohne auf halbem Weg
Verkrampft innezuhalten,
Nur für dieses Gefühl,
Tausche ich mühelos mein Auto
Und die gewisse Bleibe jede Nacht
Und die Ausbildung,
Nach der ich strebe,
Die Dinge, die ich Sicherheit nenne
Und dabei nicht weiß,
Ob sie ihrem Namen gewachsen sind.
Darin liegt der Neid.
Du hast keine Ahnung,
Wie wütend ich bin
Auf die Zufälligkeiten,
Die mich von den Dingen trennen, die nicht ich sind,
Und die Notwendigkeiten,
Die mich mit nietzscheanischer Geste jedes Mal aufs Neue zu dem zurückbringen,
Was mir bestimmt ist.
Wir vermissen Gerüche
Und vermissen Berührungen
Und vermissen oft Dinge,
Auf die wir niemals gestoßen sind,
Freiheit, zum Beispiel,
Wir trennen uns ungern von Dingen,
Weil wir nicht wissen, wie wir zärtlich zu ihnen
sein sollen,
Ohne von ihnen Besitz zu ergreifen.
Bewegung,
Entgleiten,
Veränderung.
Darüber wissen wir nicht viel.
Es stimmt,
Dass das Gewicht der Welt
Die Liebe ist,
Aber, ganz ehrlich,
Wen kümmert’s?

© Študentska založba, 2011

Quelle: Katja Perat: Najboljši so padli (Beletrina 2011) S. 56-59

Einleitung und Übersetzung aus dem Slowenischen von Daniela TRIEB, Graz

 

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