Lesen für die Ukraine (VI.)

Jurij Andruchowytsch: Guess Who Was My Guest, 15. März 2014
15. 3. 2014

Юрій Андрухович

Thill, Hans (Hg.), 2006: Vorwärts, ihr Kampfschildkröten. Gedichte aus der Ukraine. Ukrainisch-deutsche Ausgabe mit sechs Collagen von Herta Müller. Heidelberg: Wunderhorn.

Guess Who Was My Guest

Повісивши на ручку дверей трикутник
з написом Do not disturb please,
готельний злодій
зачиняється в моїй кімнаті.
Його цікавлять гроші й коштовності.
Мене, власне кажучи, теж.

Виявляється, в цій країні так само
є злодії.
Один з них саме переглядає шухляди,
мої фотокартки, записники
(чому в мене їх два – якого біса
я досі не звів усі адреси в один?),
делікатно перетрушує вміст валізи,
делікатно лишає в спокої найінтимніші речі,
як наприклад, іграшкового “крайслера ”,
дурнуватий сувенір від спонсорів.

Потім він тягне з бару одну дієтичну колу,
машинально п᾿є її,
роздивляється кириличні літери
на моїх книжках,
доходить висновку, що я росіянин.

I can’t give you anything but love.

Але й тут я загнув.
Бо навіть любові я тобі дати не можу –
хіба що братньої,
котра в рахунок не йде.
Такі часи.

В останню мить він усе ж знаходить
свої чотириста з гаком баксів,
не погребувавши і двадцяткою гривень,
напевно, приймаючи їх за якісь алжирські динари,
заодно прихопивши і залізничний квиток
на зворотне сполучення Києва зі Львовом.

Дуже він йому знадобиться в його Швеції,
де немає Києва, де немає Львова,
де сама лише чужина!

Я вже в ліфті,
коли він виходить у коридор,
коли причиняє двері за собою,
коли перевішує трикутник на клямці
тепер уже доречнішим боком
Please make-up.

Зустрічаємося коло ліфта.
Вибач, я не зміг дати тобі любові.
Купи собі героїну на всі чотириста.

Jurij Andruchowytsch

Thill, Hans (Hg.), 2006: Vorwärts, ihr Kampfschildkröten. Gedichte aus der Ukraine. Ukrainisch-deutsche Ausgabe mit sechs Collagen von Herta Müller. Heidelberg: Wunderhorn.

Guess Who Was My Guest

Das Dreieckschild mit der Aufschrift
Do not disturb please an die Klinke meiner Tür gehängt,
schließt sich der Hoteldieb
in meinem Zimmer ein.
Ihn interessieren Geld und Wertsachen,
mich, genau genommen, das gleiche.

Es stellt sich heraus, dass auch dieses Land
seine Diebe hat.
Einer von ihnen durchsucht die Schubladen,
meine Fotos, Notizbücher
(warum habe ich zwei? warum zum Teufel
habe ich bis jetzt noch nicht alle Adressen in ein Buch zusammengeführt?),
behutsam durchstöbert er den Inhalt des Koffers,
behutsam lässt er die intimsten Sachen in Ruhe,
zum Beispiel das Spielzeug „Chrysler“,
ein dämliches Souvenir der Sponsoren.

Danach holt er sich aus der Bar eine Diät-Cola,
trinkt sie mechanisch,
betrachtet kyrillische Lettern
auf meinen Büchern,
und folgert dann, ich sei Russe.

I can’t give you anything but love.

Aber auch hier bin ich wieder zu weit gegangen,
denn nicht mal Liebe kann ich dir geben –
außer der brüderlichen,
sie zählt aber nicht.
So sind die Zeiten.

Im letzten Moment findet er doch
seine vierhundert und noch ein paar Bucks,
und auch bei zwanzig Hryvnas wird er nicht übermütig,
er hält sie wahrscheinlich für irgendwelche algerischen Dinare,
zugleich schnappt er sich die Fahrkarte
für den Zug von Kiew zurück nach Lwiw.

Sehr wohl kann er sie in seinem Schweden gebrauchen,
wo es kein Kiew und kein Lwiw,
sondern nur die Fremde gibt!

Ich bin schon im Aufzug,
während er in den Korridor tritt
während er die Tür hinter sich anlehnt,
während er das Dreieckschild an der Türklinke umhängt,
diesmal mit der passenderen Seite
Please make-up.

Wir treffen uns am Aufzug.
Verzeih, ich konnte dir diese Liebe nicht geben.
Beschaff dir doch Heroin für alle vierhundert.

(Joachim Sartorius)

 

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