Übersetzungsworkshop (Sprachgruppe deutsch-slowenisch)

Literaturhaus Stuttgart, 26. September 2014
9. 10. 2014

Am 26. September 2014 fanden in Stuttgart die Übersetzungswerkstätten der drei TransStar-Sprachgruppen (ukrainisch-deutsch, deutsch-ukrainisch und deutsch-slowenisch) statt. Die deutsch-slowenische Gruppe traf sich am Freitagvormittag im Literaturhaus Stuttgart. Da unsere Mentorin Amalija Maček diesmal verhindert war, übernahm die anerkannte junge slowenische Übersetzerin Tina Štrancar die Leitung unseres Workshops. Wir haben uns mehrere Texte angeschaut, sie übersetzt und danach darüber diskutiert. Einleitend unterhielten wir uns über die Autorin Judith Hermann, die bereits am Tag zuvor im Literaturhaus eine Lesung gab, und ihre Sammlung „Nichts als Gespenster“, denn eine ihrer Erzählungen, „Ruth (Freundinnen)“, wurde noch von der Ankunft in Stuttgart gewählt und alle slowenische TeilnehmerInnen haben sie gelesen. Im Rahmen der Werkstatt haben wir uns mit dem Übersetzen der ersten drei Seiten beschäftigt. Es kam zu einer regen Diskussion, alle nahmen aktiv an der Debatte teil, wir besprachen übersetzerische Probleme und Strategien und suchten nach den passenden Lösungen. Die Gruppe stellte ihre Übersetzungen vor, so dass man zuerst den deutschen Original und dann noch die slowenische Übersetzung las. Aus allen Übersetzungen entstand letztendlich eine gemeinsame Version. Dabei entfachte sich eine kritische und lebhafte Debatte über Kroatismen, die in der slowenischen Sprache häufig präsent sind, obwohl vor allem die Lektoren versuchen sie aus dem Hochslowenischen zu verbannen. Nach einer Pause sahen sich die TeilnehmerInnen noch den Film an, der nach den Erzählungen aus dem Band von Judith Hermann gedreht wurde. Damit konnte man auch einiges aus der Erzählung, was übersetzt wurde, besser oder eigentlich ganz anders verstehen. Es folgte eine breite Diskussion über Unterschiede zwischen der deutschen und slowenischen Sprache. Wir widmeten uns aber auch noch anderen Themen, wie z. B. der Rolle des Übersetzers in der slowenischen Gesellschaft, den festgelegten Preisen für die Übersetzungen und der Konkurrenz auf dem übersetzerischen „Markt“.

Danach wurde auch noch Poesie übersetzt, und zwar das Gedicht „Die Lösung“ (1953) von Bertolt Brecht. Jeder der TeilnehmerInnen stellte seine eigene Version vor, die man dann mit der bereits publizierten Übersetzung verglich und kommentierte. Es wurde polemisiert, ob man das erste Wort am Anfang der Zeile groß oder klein schreibt. Im Deutschen waren alle Wörter großgeschrieben, ohne Rücksicht auf die Wortart. Normalerweise schreibt man die Wörter in solchen Fällen im Slowenischen klein.

Zum Schluss übersetzten wir noch eine kurze Passage aus dem Roman „Schwager in Bordeaux“ von Yoko Tawada, einer Autorin, die wir beim Netzwerktreffen in Krakau kennengelernt haben. Im Rahmen der Werkstatt, wir haben ungefähr 15 Stunden den Texten und ihrer Übertragung gewidmet, wir haben den Übersetzungsprozess näher kennengelernt und viele neue, gute Hinweise für unsere Arbeit bekommen. Es war sehr schön und spannend.

Einige Fotos finden Sie hier.

von Alenka Lavrin

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